mai 22, 2006

Dumme Jungs

Es war an einem Sommerabend, wie es sie jetzt wieder gibt, alles grün, der Duft von Wald und Korn über Land, eine friedliche Ruhe über den Häusern. Mit dem Fahrrad waren wir in das kleine Sundgauer Dorf gefahren. Am Fuss des schroffen Burgfelsen, auf dem der Kirchturm der Schlosskirche mahnend in den Himmel ragte, stiegen wir ab. Im Rucksack hatten wir unsere Jacken, eine Thermoskanne mit Tee - und ein Briefchen mit Samen von Ipomea tricolor.

Wir waren auf der Suche nach neuen, intensiven Erfahrungen, nach Inspiration, Visionen und Naturmystik. Wie die Medizinmänner des amazonischen Urwalds, die Schamanen der sibirischen Weiten, wie die besessenen Poeten der amerikanischen Beat Generation wollten wir die Pforten der Wahrnehmung auftun und in neue Welten vorstossen. Mit ernsten Mienen ging es dem verschlungenen Pfad entlang zu alten Burg und weiter auf jene idyllische Matte, wo niemand geringeres als Albert Hofmann sein Haus mitten auf die Landesgrenze gebaut hat. Nur wenige Meter vom Wohnsitz des grossen Chemikers entfernt setzten wir uns auf eine Bank und packten Jacken, Thermoskanne und Samen aus.

Da platschte plötzlich der erste grosse Tropfen vor uns auf den staubigen Boden, und aus dem Elsass drang dumpfes Donnergrollen herüber. Windböen fauchten über die Höhe, Blitze schossen aus den schwarzen Gewitterwolken. Hoch über uns polterte der uralte Donnerer über das gallische Land, während wir kleinlaut nach einem trockenen Platz suchten - und ich bald schon froh war, dass er uns diese Dummheit ausgetrieben hatte.

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