juin 26, 2006

Deutscher Wein

Am Freitag führte mich eine Exkursion in den Kaiserstuhl. In sengender Hitze ging es durch Rebberge, schattige Hohlwege und lauschige Wälder. Das kleine Gebirge besteht zum Teil aus Überresten von Vulkanschloten, die beim Einbruch des Oberrheingrabens entstanden waren. Während der letzten Eiszeit lagerten Winde mächtige Lössdecken ab. Diese wurden zur Lebensgrundlage für Generationen, die in kleinen Dörfern am Fuss der Hänge lebten und auf dem fruchtbaren Boden Wein anbauten. Mit unzähligen kleinen Terrassen verwandelten sie die steilen, sonnigen Hänge in Rebberge. Mittlerweile hat längst die Moderne im Kaiserstuhl Einzug gehalten. Mit schweren Maschinen wurden neue, grössere Terrassen gebaut und die Landschaft völlig umgestaltet. Der Wein wurde dadurch nicht besser, aber billiger - und das ist, was zählt auf dem europäischen Binnenmarkt.

Auf dem Rückweg durch Ihringen fällt mir noch ein Spruch an einer Hauswand ins Auge: "A Kriagle Ihringer Wy, isch allewyl s beschte gsy". Schon verrückt. Vor hundert Jahren, als die Grenzen im Oberrheingebiet vor Waffen starrten und grosse Armeen darauf warteten, übereinander her zu fallen, verstanden sich hier Deutsche, Franzosen und Schweizer - man sprach die gleiche Sprache, die über die Grenzen hinweg verband und sich so wohltuend von den zackigen Nationalsprachen der jeweiligen Vaterlänger unterschied. Heute sieht man sich als Europaregion, setzt auf Verständigung und Abbau der Grenzen, aber wenn Basler, Strassburger und Freiburger ein Treffen haben, brauchen sie Dolmetscher und Sprachregelungen. So richtig gewonnen haben die nationalistischen Leitkulturen hier erst nach dem Krieg.

Ach ja, Freiburg. Ich habe mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen, noch ein Stündchen durch Deutschlands mediterranste Stadt zu flanieren und in einer der unzähligen schattigen Gartenbeizen ein schönes Bier zu trinken - auch wenn Wein natürlich passender gewesen wäre. Denn Match hab ich mir dann trotzdem daheim angesehen.

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