juillet 05, 2006

Das Eis weicht

Bild: Gerhard Müller

Der Sommer hat gerade erst begonnen, und schon schmilzt auf den Gletschern die Schneeauflage weg. Vielerorts begegnen die Bergsteiger schon wieder blankem Eis. Doch nicht nur Firn und Gletscher weichen zurück, auch der gefrorene Untergrund wird wärmer und gerät in Bewegung. Ab einer Temperatur von -1.5° C wird das Eis in den Felspalten und Hohlräumen von Schuttfeldern feuchter und viskoser. Der Zement der Berge wird zum Gleitmittel - Steinschlag und Felsabbrüche sind die Folge. Eindrücklich beobachten können wird man das diesen Sommer im Gletscherdorf Grindelwald, in dem sich die Auswirkungen der rasanten Klimaerwärmung der letzten Jahre deutlich zeigen. Schon im letzten Jahr brach eine ganze Wiese einfach ab, weil dem Moränenmaterial nach dem Abschmelzen des Gletschers das Widerlager fehlte. Nun droht ganz in der Nähe ein mächtiger Felssturz vom Eiger.

Auch wenn sich die Erwärmung in den letzten zwanzig Jahren unheimlich beschleunigt hat, ist das alles nichts neues. Ein Blick auf die Dufourkarten von 1850 zeigt: Der grösste Teil der Gletscher ist längst abgeschmolzen. Von den Eismassen, welche die romantischen Maler auf die Leinwand bannten, sind längst nur noch letzte Reste übrig. Auch für den Alpinisten ist das Thema Klimänderung nichts neues: Seit Jahrzehnten muss er sich immer wieder auf neue Verhältnisse einstellen. Schön gezeigt wird dies in einem Bericht auf alpineresearch.ch. Infos zu aktuellen Änderungen in klassischen Routen wurden jüngst auch hier zusammengefasst.

Inwiefern die Erwärmung der letzten Jahren menschengemacht war und wie gross der Anteil natürlicher Prozesse daran ist, bleibt nach wie vor nicht abschliessend geklärt. Eines aber ist sicher: Die Berge, die wir kennen, werden wir unseren Kindern nicht mehr zeigen können.

1 commentaire:

phono a dit…

schöne zusammenstellung.

die berge wie wir sie kennen mögen unsere kinder nicht mehr genau gleich erleben. den respekt vor der natur und ihren kräften hingegen dürfen auch sie erfahren.

ob nun der klimawandel mehr oder weniger stark vom menschen beeinflusst wird, spielt eigentlich keine rolle. schlussendlich laufen so oder so natürliche vorgänge ab.