juillet 28, 2006

Das Gewitter

Gestern abend um halb neun: Noch immer liegt diese schwüle Wärme bleiern im Tal. Von den Feldern strömt der Geruch von abgeerntetem Korn durch die weit geöffneten Fenster herein. Im Westen ein seltsames Licht, diffus, rötlich, drohend. Es ist feuchte, dunstige Gewitterluft, die in der Abendsonne unheimlich leuchtet. Langsam schiebt sich Gewölk gegen den Stürmenkopf. Von Ferne hört man ein Rumpeln. Dann zucken die ersten Blitze über den waldigen Kämmen im Westen. Sie schlagen auf den Jurahöhen ein. Ein kühler Wind drückt plötzlich die Fenster auf. Irgendwo knallt eine Türe. Ein Vater ruft seinem Sohn hinunter auf den Spielplatz. Ein Bauer fährt mit seinem alten Traktor durch den einsetzenden Regen in Richtung Hof, auf dem Wagen eine Ladung Stroh. Und dann ist das Gewitter plötzlich über uns. Gleissendes, blendendes Licht, ein splitterndes Krachen, das durch Mark und Bein fährt. Nur ein paar hundert Meter vom Haus entfernt gehen die Blitze nieder. Es ist wie im Krieg. Langsam rollt die Front über uns hinweg. Irgendwann wird das Donnern wieder dumpfer. Die Wolken krallen sich nun am felsigen Bergland im Osten fest. Die ersten Geräusche dringen wieder durch das Prasseln des Regens. Eine Kirchenglocke, die läutet. Irgendwo eine Sirene, die Feuerwehr ist unterwegs.

Heute morgen steigt ein erdiger Duft von den Feldern auf, letzte Nebel hängen über dem Wald am Stürmenkopf. Eine angenehme Frische dringt zum Fenster herein. Die Landschaft atmet wieder.

2 commentaires:

T.M. a dit…

aber monsieur, Krieg ist etwas anderes als ein bisschen Donnern. Ansonsten sehr hübsch.

Der Wilderer a dit…

Gewiss, gewiss. Aber rein akkustisch hatte das schon was von Artillerie...