juillet 30, 2006

Muttersprache

Deutsch ist eine schöne Sprache. Das schönste daran ist, dass es mehr als ein Deutsch gibt. Das Deutsch das ich als Kind lernte, war eine besonders alte und reiche Variante: Haslitiitsch. Als ich etwas älter wurde, verschob es sich ein bisschen hin zum Briensertiitsch, vielleicht, weil ich nun mehr meinem Vater nacheiferte. In der Schule lernte ich, als Fremdsprache fast, das Baseldeutsche, und in langen nächtlichen Lesestunden wurde mir das Deutsch der Kunst und der Literatur, gemeinhin als "Schriftdeutsch" abgetan, lieb und teuer. Wenn ich heute sage, dass Deutsch meine Muttersprache ist, dann umfasst das all diese Varianten - vom feinen und doch kräftigen, im Wortschatz so reichen höchstalemannischen Dialekt der Täler zuoberst an der Aar bis zur poetischen, reifen und tiefgründigen Kunstsprache der vielzitierten Dichter und Denker. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass man in die Sprache Deutsch nie ganz eintauchen kann, wenn man nicht wenigstens einen ihrer unzähligen Dialekte im Mutterhaus gelernt hat.

Leider steht es derzeit schlecht um meine Sprache. Zwar sind die Zeiten vorbei, als italienische Faschisten, deutsche Nationale und französische Zentralisten den deutschen Regionalsprachen mit Unterdrückung und Gewalt zu Leibe rückten. Doch noch immer sind weiche Massnahmen der Diskriminierung gang und gäbe. Vielerorts wird ihren Sprecher nach wie vor unmissverständlich klar gemacht, dass sie mit ihrer Sprache keinen Platz haben. Man zieht sie ins Lächerliche, äussert sich verächtlich über sie, verbannt sie aus dem öffentlichen Leben, als hafte ihnen etwas Fehlerhaftes, Peinliches, Unzivilisiertes, ja, Unsittliches an. In der Schweiz haben wir es - noch - besser. Noch zwingt man mich nicht, eine mir fremde Aussprache anzunehmen, wenn ich ein Amt besuche oder im Kundendienst der Bank eine Reklamation anbringen möchte. Noch werde ich Ernst genommen, wenn ich spreche, wie ich es von Kindsbeinen auf getan habe, wie es meine Art ist.

Doch auch bei uns sind die reichen alemannischen Dialekte auf dem Rückzug. Die Mischsprachen der grossen Agglomerationen um Zürich und Bern walzen die alten Sprachen platt. Sie gelten als zu unsexy, zu altmodisch, zu komisch, zu bäuerlich, um von der jungen Generation noch gesprochen zu werden.

Ich mag damit alleine stehen, aber ich werde bei dieser Einebnung und Vermassung niemals mitmachen. Ich bleibe bei meinem Tiitsch. Darum blogge ich jetzt in meiner höchstalemannischen Muttersprache. Keine Angst, nicht hier. Aber hier. In loser Folge übersetze ich dort Literatur ins Haslitiitscha - einfach nur um zu zeigen, was diese Sprache vermag. Den Anfang macht - natürlich - Ramuz. Es will mir fast scheinen, der Dialekt bekomme im besser als die Standardsprache...

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