août 03, 2006

Uri


Trostlos und Wild geben sich die Gebirgslandschaften im oberen Teil des alten Reichslandes Uri. Das satte Grün und die die bunten Blumenteppiche, die für die stattlichen Alpen des Hirtenlandes so typisch sind, fehlen hier. Wie Ruinen ragen die Stöcke und Schiijen aus Gneiss und Granit empor, die Täler sind mit Schutt gefüllt, reissende Wildbäche stürzen sich von den vergletscherten Flanken der düsteren Berge. Dicke Grünerlenwälder haben die steilen Planggen zurückerobert, auf den kargen Alpweiden, deren Gras auf dem sauren Boden nie so grün wächst wie im Schächental oder auf den Alpwiesen über dem Urnersee, weiden nur noch Galte. Anders als im benachbarten Berner Oberland, wo das Aufeinandertreffen der schneeweissen Hochalpen und der blumenübersäten Voralpen eine spektakuläre Kulisse bietet, findet der Wanderer hier eine wilde, rauhe Landschaft, der etwas Abweisendes und Trostloses innewohnt. Uns führte der Weg auf den Fleckistock durch das Voralptal, hinein in die ältesten Felsen der Schweizer Alpen, Gneisse und Amphibolite, die Hunderte von Millionen Jahren vor der Alpenfaltung entstanden und Teil längst abgetragener Gebirge waren, bevor sie noch einmal in die Höhe gehoben und von Eis und Wasser aufgesprengt, abgeschliffen und mit Schutt überhäuft wurden.


Ins Voralptal verirren sich nur wenige Alpinisten. Die Routen, die hier begangen werden können, sind meist lang und objektiv gefährlich: Das Gestein ist schiefrig und brüchig, das Abschmelzen der Gletscher und Firnfelder hat mächtige Schuttflanken hinterlassen, das Schwinden des Permafrosts tut ein Übriges. Dennoch - oder gerade deshalb - ist die Urlandschaft zwischen Fleckistock und Sustenhorn ein lohnendes Ziel. In der kleinen Voralphütte, in welcher Wanderer mit einer ehrlichen, ungezwungenen Gastfreundschaft empfangen werden, die man in spektakulärer gelegenen SAC-Stationen oft vergeblich sucht, lässt sich die urtümliche, einsame und oft bedrohliche Welt des Hochgebirges in aller Abgeschiedenheit erleben: Das unaufhörliche Rauschen der Gletscherbäche, das Spiel der Nebel an den schroff gezackten Graten, das Rufen der Hirten, die nach ihren Rindern schauen, die mystische Stille, wenn Nebel und Regen die Hütte einhüllen...

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