octobre 11, 2006

Feiern im Safien

Safier Herbstfreuden: Marco, Maria und der Hirsch (Bild: Maria)

23. September, 23 Uhr. Spät Abends kurven Felipe und ich die schier endlose Strasse ins Safiental hinauf. Zuhinterst im Hochtal erwartet uns in einem alten Bauernhaus eine gemütliche, warme Küche.

Wir sind bei Maria und Marco zu Gast. Auf 1700 m.ü.M. bewirtschaften sie einen Bauernhof mit Kühen und Schweinen. Seit rund 700 Jahren wird in diesem Hochtal Landwirtschaft betrieben. Es waren Walser aus den Westalpen, die im Hochmittelalter diesen abgelegenen Flecken besiedelten, der den einheimischen Romanen wohl nur als Sommerweide gedient hatte. Hier haben sie sich festgekrallt, die schlimmen Jahre der Kleinen Eiszeit überdauert, hier versuchen sie heute mit aller Kraft, die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft zu meistern. Marco und Maria sind gerade dabei, auf Mutterkuhhaltung umzustellen. In diesen Tagen sind es aber für einmal nicht die Tiere im modernen Laufstall, denen das Hauptaugenmerk der jungen Bauersleute gilt: Es ist Herbstmonat, und die Jagdsaison im Safien erreicht ihren Höhepunkt. Jetzt, zur Tag- und Nachtgleiche, sind wir hier zu einem grossen Herbstfest eingeladen. Ein besserer Ort liesse sich kaum finden, um den Abschluss des Sommers zu feiern...

Eigentlich wollten wir bald ins Bett. Doch wie es schon zu Urgrossvaters Zeiten Brauch war, nimmt man noch einen Kaffee und noch einen und findet immer noch eine Geschichte, die sich zu erzählen lohnt. Irgendwann dringt ein fahles Licht durch das Küchenfenster. Es tagt. Wir sind nicht betrunken, aber auch nicht nüchtern. Als wir hinausschauen, die frische Morgenluft einsaugen und einen wolkenlosen Himmel erblicken, gibt es kein Halten mehr. Schlafen können wir irgendwann, jetzt geht es bergauf! Mit einer Gitarre und einem Käsebrot bewaffnet ziehen wir aus und steigen im Morgenlicht die sanften Hänge hinter dem Haus hinauf. An einem kleinen Bächlein geniessen wir die Morgensonne, Felipe schlägt ein paar Akkorde an, ich versuche, dazu zu singen. Dann geht es weiter. Irgendwann erreichen wir das Rinderpirglückli, welches das Safien- mit dem Valsertal verbindet. Während Felipe sich ein Schläfchen genehmigt, steige ich dem Grat entlang weiter, bis ich durstig und zum Umfallen müde auf dem Tällihorn stehe. Ich schiesse das vielleicht schlechteste Gipfelfoto aller Zeiten, setze mich mit den Rücken an einen Steinmann und schlafe ein.

Die Bergwelt feiert Herbst

Morgenmilde in den Safier Bergen

Am Ufer der Rabiusa

Es ist schon Nachmittag, als wir wieder unten bei Marco und Maria ankommen. Ein buntes Grüppchen hat sich hier versammelt. Im Garten wird bei Bier und Süssmost eine Puppe aus Getreide gebastelt, die am Abend feierlich verbrannt werden soll - als symbolischer Dank für die Ernte. Wir setzen uns still dazu, sind auch nicht mehr allzu laut, als beim Einbrechen der Dunkelheit am Ufer der Rabiusa feierlich auf den vergangenen Sommer getrunken wird. Mit herrlichen Pazöggel und einer alten Safier Sage vom Gemskäslein klingt der Abend aus. Der Schlaf in den alten Holzbetten in unserer Gästestube ist köstlich...

I took up the runes...

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