octobre 18, 2006

Äs Cheli



Nach dem Gemspfeffer gibt es natürlich nichts besseres als ein rechtes Cheli - ein heisses Gebräu aus klarem Bergwasser, Kaffee, Bätzi und Zucker. In der Innerschweiz und dem Hasli ist das Cheli so etwas wie das Nationalgetränk. Es wird bei jeder Gelegenheit zwäg gmachd, und an Festen wie der Älperchilbi oder dem Ubersitz bisweilen auch im Übermass getrunken. Auf keinen Fall darf man das Cheli mit einem kommunen Kaffi fertig verwechseln. Während bei diesem einfach etwas Schnaps in den Kaffee gekippt wird, kommt das Cheli fast ohne das braune Pulver aus. Ist es gut gelungen, kann man durch das Kaffeeglas hindurch die Schlagzeilen der Zeitung lesen. Für ein richtiges Cheli wird in einer Pfanne heisses Zuckerwasser gekocht. Dieses wird zusammen mit einem Glas Bätzi in ein Kaffeeglas mit Löffel gegossen. Zum Schluss wird etwas schwarzer Kaffee dazugegeben - und die Delikatesse ist fertig. Alternativ kann man sich ein Cheli natürlich auch mit löslichem Pulverkaffe zwäg machen. Zwei Teelöffel Zucker und eine Messerspitze Pulver werden mit heissem Wasser aufgegossen, dazu kommen etwa zwei Fingerbreit Schnaps. 

In alten Zeiten, als es weder Instantkaffee noch Espressomaschinen gab, wurde 2 Teelöffel Kaffeepulver mit einem halben Liter Wasser aufgebrüht, damit der Kaffee so dünn wie Tee wurde. Die Entlebucher besassen dabei die Raffinesse, einen Tannenzweig mitzukochen... Heute gibt es natürlich beliebig viele Varianten, das Cheli weiter zu verfeinern. Man kann es mit edlem Gravensteiner zubereiten, Kirsch oder Pflümli anstelle des Träschs verwenden, dem Ganzen eine Haube aus geschwungener Nidel aufsetzen, es mit Schokostreusel garnieren oder gar mit exotischen Feuerwassern wie Rum, Whisky oder Baileys hantieren. Aber dann ist es eben eigentlich kein rechtes Cheli mehr. 

An dieses kommt nichts heran: Leicht und fein im Geschmack, süss wie das Mintschi eines hübschen Mädchens und stark wie der Handschlag eines alten Berglers, erweckt es Tote zum Leben und hat schon manchen die Nacht vergessen lassen. Denn im Gegensatz zu Bier und Wein macht die Mischung aus Koffein, Zucker und Alkohol nicht dumpf und müde, sondern fit und hellwach. Man kann es eigentlich gar nicht oft genug trinken...

5 commentaires:

Wintermond a dit…

Cheli ....
Wenn du wüsstest was für Bilder in meinem Kopf vorüberzogen, als ich das Wort las. Kindheit und das Leben in dem engen Tal.
Sobald ich die Berge hinter mir liess, sprach keiner mehr von einem Cheli. Dort waren es nur noch Kafi ;-)

Der Wilderer a dit…

...hoffentlich waren es nicht zu düstere Bilder, und Du gönnst Dir immer noch ab und zu eins ; ) Welches Tal war es denn?

Wintermond a dit…

Dort wo die Chelis herkommen, meiner Meinung nach. Obwalden. Da wo es bis vor kurzem noch die Landsgemeinde gab und noch immer wieder Älplerchilbi stattfindet.

Cheli. Hatte schon lange keines mehr, mir fehlt hier der richtige Schnaps dazu ;-)

T.M. a dit…

Mir sind die jeweiligen Mengen nicht so ganz klar, denn ich bin ja nur ein Zugereister. Was ein Bätzi ist, muss ich noch ussefingä. Aber vielleicht experimentiere ich am WE mal ein bisschen.

P.S.: La Peste ... ich hatte noch einen Gutschein.

Der Wilderer a dit…

@Wintermond: Obwalden als Heimat des Cheli - da magst Du Recht haben. Die Hasler haben es wohl über den Brünig importiert...

@t.m.: Beim Bätzi handelt es sich um den als "Kernobstbrand" bekannten Schnaps aus Apfel- und Birnenrückständen. Bei der Dosierung gibt es nach meinem Geschmack nur zwei Regeln: Viel Schnaps, wenig Kaffeepulver.