octobre 18, 2006

Ötztal

Wenn am 28. Oktober in Sölden der Skizirkus losgeht, wird es das Ötztal einmal mehr auf die Bildschirme Europas schaffen. Wie kaum eine andere Region der Alpen hat man sich hier dem Tourismus verschrieben. Mit Folien abgedeckte Gletscher, ein gigantisches "Thermalbad" mit künstlich erhitztem Wasser und gigantomanische architektonische Projekte sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Wir haben das Ötztal am Geographiekurs in Obergurgl von einer anderen Seite kennengelernt: In den Tälern von Gurgl und Vent liegt unmittelbar neben der brutalen Tourismusindustrie eine wilde Gebirgslandschaft. Seit über 150 Jahren wird hier geographische Forschung betrieben. In sechs Exkursionen lernten wir Natur, Landschaft und Kultur dieses zentralalpinen Hochtals kennen.

Am Goasbergferner

Auf dem Weg zur hohen Mut

Das Rotmoos

Ende September breitet sich im hinteren Ötztal eine düstere Stimmung aus. Der Sommertourismus ist vorbei, bald schon startet auf den Pisten der Skizirkus. Auf unseren Exkursionen treffen wir nur wenige Wanderer an. In den Hochtälern ist es Einsam geworden, ein Hauch von nordischer Wildheit liegt über der Landschaft und macht vergessen, wie präsent die Zivilisation unten im Tal ist.


Von Menschen genutzt wird das Ötztal schon seit der Steinzeit. Nach dem Ende der Römerzeit lebten hier Rätoromanen, deren Sprache in vielen Flurnamen weiterlebt. Später folgte die germanische Einwanderung. Die Siedler aus dem Norden bauten Höfe in Lagen, die kaum bewohnbar scheinen. Die Rofenhöhe oberhalb von Vent liegen auf über 2000 m. ü. M. und sind damit die höchstgelegene Dauersiedlung im Alpenraum.

Im Venter Tal

Einst gefürchtet - die Rofenache in ihrer Schlucht

Die Kapelle der Rofenhöfe.

Die Ötztaler Gletscher hatten schon früh das Augenmerk der Forscher auf sich gezogen. In verschiedenen Vorstössen hatten sie Gletscherseen aufgestaut, die zur Bedrohung für die Dörfer im Tal wurden. In den letzten Jahrzehnten haben sie sich stark zurückgezogen. Heute hat die Gletscherschmelze dramatische Ausmasse erreicht. Die Zungen zerfallen in den heissen Sommern regelrecht. Eine Wanderung durch die Eiszerfallszone des Gurgler Ferners zeigt, wie sehr die Klimaerwärmung dem Eis zusetzt. Es ist unterhöhlt, überall läuft Schmelzwasser zusammen, ganze Eiswände sind eingestürzt.

Schmelzwasser

Eiszerfall

Der Gurgler Ferner


Am letzten Abend schweift der Blick zurück in die Hochgebirgswelt des Ötztals - immer noch ein beeindruckende Bergwildnis, aber eben doch auch eine Kulturlandschaft mit einer langen Geschichte...

Ein letzter Blick zurück

1 commentaire:

Der Wilderer a dit…

...Hier habe ich noch ein Beispiel des stark am Mittelhochdeutschen orientierten Ötztaler Dialekts gefunden...