novembre 21, 2006

Mørketid

Finse i dag, kl. 07.00

Webcams sind für mich ein Fenster zur Welt. Wie ist das Wetter auf den Lofoten? Liegt schon Schnee in den norwegischen Bergen? Sind die Seen schon gefroren? Immer im November wird mir bewusst, wie dunkel der Norden im Winter wird. Um meine Webcams anzuschauen braucht es ein gutes Timing, denn die meiste Zeit über ist Nacht. Mørketida, die völlige Finsternis während Tagen, Wochen oder gar Monaten, wie sie die Menschen nördlich des Polarkreises erleben, ist eine Erfahrung, die dem Mitteleuropäer völlig fehlt. Wie hart muss sie für die saamische Urbevölkerung gewesen sein, als noch kein künstliches Licht, keine Zentralheizung und kein Fernseher über die dunklen Stunden half?

Auch eine Art von Mørketid erlebt derzeit meine Grossmutter. Seit Ende Oktober liegt ihr Heimetli ständig im Schatten. Die Bahn der Sonne ist so niedrig, dass sie den ganzen Tag über nicht über die Berge hinter dem Haus aufsteigt. Bis in den Hornung hinein bleibt das so. Für das Groosi, am sonnigen Hasliberg aufgewachsen, eine traurige Zeit. Wer im Herbst im Postauto sitzt, staunt immer wieder, wie sehr das meterweise Vorkriechen der Schatten die alten Frauen im Tal beschäftigt. "I bin etz schoon mengs Jaar daa, aber es tööd äimm geng no Wee", hörte ich vor einigen Wochen eine alte Gadmerin sagen. Unter ihrem urchigen Dialekt war noch einen leichter ausländischer Akzent herauszuhören. Wahrscheinlich kam sie, wie so viele Frauen im Tal, aus dem wärmeren Teil der Alpen, aus Kärnten oder Südtirol vielleicht. Die Sonne nicht mehr zu sehen, ist immer etwas Bedrückendes, selbst dann, wenn es nur kalt und schattig und nicht völlig finster wird....


EIVØR PÁLSDÓTTIR. Må solen alltid skina.

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