novembre 14, 2006

Ubergrääwd...

Im Herbst wird es einsam auf den Alpen zuhinterst im Simmental. Das Bimmeln der Kuhglocken ist längst verstummt, die Hütten sind verriegelt und bereit für den Winter. Eine tiefe Stille liegt über den Wäldern und Mooren. Nur das Rauschen der Wildbäche und das Brausen des Windes in den Wäldern klingt zu mir herauf. Es ist neblig und regnerisch, ab und zu reisst die Wolkendecke kurz auf, und die Sonne lässt die Berge ringsherum weiss aufleuchten. Der erste Schnee ist gefallen. Als ich auf dem Gipfel des Oberlaubhorns stehe, drückt der Wind von Norden her eine dunkle Wolkenwand ins Tal. Es beginnt wieder zu schneien, und mir wird kalt.


Mit klammen Fingern stürze ich einen Schluck Kartoffelschnaps hinunter. Dann wird es für mich, Zeit zu gehen. Durch das Schneegestöber geht es über die frisch ubergrääwwten Weiden hinunter in den Wald. Unten im Räzlibärg herrscht eine düstere Stimmung. Die Berge sind wolkenverhangen, ein feiner Sprühregen fällt aus dem Nebel. Ich verlasse den Pfad und suche mir einen Weg durch den lichten Wald. Die Moore sind noch hart gefroren, in den Felsen über mir hängt Eis - es war hier schon kälter in diesem Herbst.

Unweit der Sibenbrunnen stosse ich auf ein Stück Bergurwald. Der Boden moosbedeckt, vermodernde Stämme, Heitichrüüd. Ein kleiner südlicher Vorposten jenes gewaltigen Waldes, der von Norwegen bis Kamtschatka reicht. Unterhalb eines Felsvorsprungs quillt milchiges Wasser aus dem Untergrund hervor. Ich kenne sie noch aus Kindertagen. Irgendetwas ist seltsam hier, als ob da jemand wäre... Den Wasserfällen der Simme entlang ziehe ich mit grossen Schritten hinunter ins Tal. Als ich das Gasthaus im Grund erreiche, wird es dunkel. Die Fenster leuchten einladend herüber in den Wald. Ich freue mich auf eine warme Stube und ein frisches Bier...


n.p.: SUMMONING. Between Light and Darkness.

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