décembre 11, 2006

Winter.

Mit dem Anbruch der heiligen Nächte hat in den Bergen der Winter Einzug gehalten. Noch einmal fegte am Klausabend der Föhnsturm über die Voralpen, dann fiel der ersten Schnee. Über einen halben Meter warf der Westwind über Saanen ab und verwandelten die liebliche Voralpenlandschaft mit ihren sanften Bergrücken, ihren verstreuten Höfen und einsamen Wettertannen in ein verwunschenes Winterland....


Der Aufstieg zur Windspille ist mühsam. Der Schnee ist grundlos, mit jedem Schritt sacke ich bis zu den Knien ein, manchmal versinke ich bis zur Hüfte im feuchten Pulverschnee. Ich komme nur langsam voran. Immer wieder halte ich kurz an. Sobald mein Atem leiser wird, höre ich die ungeheure Stille, die über der Landschaft liegt. Schnee und Nebel schlucken jedes Geräusch.


Die Hütten auf der Hinteren Windspille liegen einsam und verlassen im Schnee. Im Sommer sind hier die Tage schier endlos, Glockengeläut, Hundegebell und Kindergeschrei erfüllen die Luft über dem hellen Grün der Bergweiden, es riecht nach Mist, Milch und Rauch. Jetzt, im Winter, lastet ein ernstes, schweres Grau über den farblos gewordenen Hütten. Es ist gespenstisch still, nur der Wind treibt manchmal den Schnee in langen, wirbelnden Fahnen von den Dächern.


Ich setze mich vor eine der Hütten, rauche einen Stumpen, trinke einen Schnaps. Denke an die Geschichten von den Naachääselleren, gespenstischen Gestalten, die im Winter die verlassenen Alpen bewohnen und die Milch verkäsen, welche die Sennen den Sommer über verschüttet haben. Mir wird kalt, und ich mache mich auf den Abstieg. Wieder komme ich nur schwer voran, das Grau um mich herum wird zusehends dunkler. Der Berg ist ernst und streng. Ein umgeknickter Fuss, ein gebrochenes Bein - und ein Wanderer würde die Nacht nicht überleben.



Als ich das Tal erreiche, ist bereits die Dämmerung angebrochen. Eine Mutter ruft die Kinder herein, das stattliche Bauernhaus verspricht Sicherheit und Geborgenheit. Hinter den dicken Flecken aus Tannenholz ist es warm, Licht dringt durch die kleinen Fensterlein heraus in die einfallende Nacht. Im Geltenhorn hocken die Einheimischen beisammen und klopfen einen Jass. Ich schlürfe meinen heissen Kaffee und lausche dem freundlichen Singsang ihrer Sprache. Der Winter hat begonnen....

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