janvier 29, 2007

Unter Tage

Es ist heiss, tief drinnen im Berg. Oben im Maderanertal ist tiefster Winter, hier unten herrschen fast dreissig Grad. Die Luft ist staubig und riecht nach Moder und Beton, von den Wänden tropft Wasser - es ist lauwarm. Güterwägen mit grobem Schotter bewegen sich wie von Geisterhand durch die langgezogenen Stollen. Im Maschinenlärm versteht man kaum das eigene Wort.

Wir befinden uns im Gotthard-Basistunnel, 800 Meter unter der Erde. Mit einem klapprigen Werkszug hat man uns in den Stollen hineingekarrt. Fast eine halbe Stunde dauert die Fahrt zur Baustelle - eine der teuersten der Schweiz. Hier unten betreibt die Eidgenossenschaft Gigantismus. Der längste Bahntunnel der Welt soll es werden, 57 Kilometer am Stück, quer unter dem Alpenhauptkamm hindurch, auf einer Seehöhe von maximal 550 Metern. Unter dem Piz Vagira werden die Bahnschienen 2500 m unter der Erdoberfläche verlaufen. Ohne künstliche Kühlung herrschten dort im Stollen Temperaturen von 50° C.


Die Mineure bohren sich durch festen Granit und brüchigen Gneiss, arbeiten sich im Sprengvortrieb durch Material, das die Konsistenz von Feinsand hat, bisweilen fressen sich die Bohrmaschinen fest und müssen mit Umgehungsstollen wieder freigesprengt werden. 24 Millionen Tonnen Schutt werden so aus dem Berg ausgebrochen. Bereits hat man im Urnersee künstliche Inseln aufgeschüttet - Naturschutzgebiete und Badeparadiese aus Aushubmaterial.


2000 Mann sind an der NEAT-Baustelle beschäftigt, unter ihnen Spezialisten aus Südafrika und Österreich. Die Arbeit unter Tage ist hart und gefährlich. Seit Beginn der Bauzeit hat es sieben Tote gegeben. Die heilige Barbara wacht am Stollenzugang über die Bergleute, an ihrem Feiertag stehen im Stollen alle Räder still. Draussen in der schmucklosen Kantine gibt es Fleisch mit Sauce, Bohnen und Salat. Vor der Barackensiedlung stehen schnelle Autos. Die Autobahn ist nah, in wenigen Minuten bringt sie die einsamen Männer raus aus ihren engen Behausungen. Bereits gibt es im altkatholischen Reichsland Uri die ersten Rotlichtbars...

Hinein in den Berg: Der Zugangsstollen Amsteg.

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