février 17, 2007

Helgenhorn

Morgenstimmung über dem Bedretto

Dabei hatte alles so schön ausgesehen. Der Morgen war kalt und klar gewesen, als wir um 07.00 in der Frühe von unserem Gasthaus zuhinterst im Valle di Bedretto losmarschiert waren. Die verschneiten Gipfel im Norden hatten in feinstem Rosenrot geschimmert, und wir waren allein im lichten Wald aufgestiegen. Nur ein scharfer Wind hatte angedeutet an, dass der idyllischen Morgenstimmung nicht zu trauen war.


Nur noch Weiss: Steffi und Felipe im white-out

Oben auf dem Passo di St. Giacomo hat uns das schlechte Wetter eingeholt. Nebel umhüllen die Berge, ein milchiges Licht schluckt alle Konturen. Es beginnt zu schneien, in grossen, dicken Flocken. Für einige Augenblicke ist alles nur noch weiss. Dann zerreisst der stürmische Westwind die Wolken, gibt den Blick auf die Felspfeiler und Couloirs des Pizzo San Giacomo frei, um die Nebelfetzen gleich wieder zusammenzustossen und uns jede Sicht zu nehmen. Schon den ganzen Vormittag hat er hier oben geblasen, den Schnee von den felsigen Rücken fortgetragen und ihn in die weiten Hänge geweht. Dort liegt er nun, von den Böen zu einer tückischen Decke verwoben, zusammengebacken, fein und zerbrechlich wie Zuckerbäckerei, wie angeklebt an der eisigen Kruste darunter.

Schneesturm am San Giacomo

Noch geben wir nicht auf. Steigen Schritt um Schritt weiter auf, während hinter uns die Spur langsam wieder zugeweht wird. Der Sturm peitscht uns den Schnee ins Gesicht, die Finger beginnen zu schmerzen. Das Wetter scheint sich nicht mehr zu bessern. Schweren Herzens geben wir unser Ziel, das Helgenhorn, auf. Ein Schluck Whisky aus der Flasche, ein paar Reihen Schokolade, dann ziehen wir unsere Lines durch den federnden Triebschnee hinunter, zurück zum Pass.

Die ersten Schwünge sind kaum vorbei, als der Sturm plötzlich die Nebel aufreisst und ein blauer Himmel über der weissen Berglandschaft leuchtet. Hinter uns zeigt sich das Helgenhorn, frisch verschneit, unendlich schön, verlockend, spottend fast. Aus dem Tal kommen uns ein paar Tourengänger entgegen. Ich weiss nicht, was stärker ist - die Bitterkeit über den Verzicht oder das Glück, durch dieses elementare Spiel aus Wind und Licht zu gleiten. Esoo cha's eim gaan....


Fra Norge: Telemarker Marc-Ivar im Bedretto





4 commentaires:

Marc-I a dit…

Hey Peter,

z'Helgehorn wird üs scho nid devospringe, wird's haut nächscht Jahr uf d'Lischte gsetzt! Und denn bi jedem Sauwetter ;-)

Der Wilderer a dit…

Jawoll. Sturmhüüben üüf ; )

Tschingelfälder a dit…

Ähä! Hägi hägi....

Habe meinen Krieg im Bedrtetto längst hinter mir! Haben damals auch den San Giacomo gegen einen immaginären Feind verteidigt!

Doch diese Geschichte erzähle ich Euch vielleicht mal bei einem Schluck Merlot......

Der Wilderer a dit…

Hab an Dich gedacht, als wir den getarnten Bunker gesehen haben. Das Bedretto ist eine Festung!

Den mit dem Merlot nehm ich an. Ich hätt da noch ein Tessiner Rezept für Gitzi ; )