février 10, 2007

Wintersonne

Sulwald in der Dämmerung. Im Hintergrund die Haslijungfrau.

"Ein magischer Ort hier", sagt Felipe in die Stille. Zwei Monate war er daheim in Brasilien, genoss den ewigen Sommer der Tropen, die Strände, die Bars, die Leichtigkeit des Südens. Nun stehen wir zu Dritt an der Seilbahnstation von Isenfluh, einem abgelegenen Bergdorf hoch über dem Tal von Lauterbrunnen. Kein Mensch ist hier, nur in wenigen Häusern brennt schon Licht. Langsam verblassen die Sterne am Himmel, und im Dämmerlicht treten mächtige Silhouetten aus der Dunkelheit hervor. Finstere Türme. Scharfe Schneiden. Von Runsen zerfressene Kämme. Massige Felsungetüme und elegant geschwungene Gipfel aus Firn und Eis. Wir sind mitten drin, im Berner Oberland.


In der engen und zugigen Gondel, in der wir durch das Halbdunkel hinauf nach Sulwald schweben, treffen wir einen Einheimischen. Er ist auf dem Weg in den Stall. Sein Heu mäht er wie seine Vorfahren über der Waldgrenze, und es hinab ins Dorf zu transportieren, wäre viel zu mühsam. So werden die Kühe seit Generationen weit ab vom Hof durch den Winter gefüttert, auf 1500 Meter über Meer.

Wir verabschieden uns, ziehen die Steigfelle auf die Ski und marschieren los. Über dem weiss überzuckerten Wald erhebt sich majestätisch die Jungfrau.Erst müssen wir die Ski durch den von Felsspalten zerschrundeten Bergwald tragen, dann gleiten die Felle mit einem leisen Zischen regelmässig über den Schnee. Bald ist nichts mehr zu hören als unser eigener, langsamer, schwerer Atem.


Noch ist nicht viel Schnee gefallen in den Oberländer Bergen. Immer wieder hatte der Westwind milde Luft und Regen gebracht. Unter einer dünnen Schicht von Pulverschnee kratzen die Ski auf einer eisigen Kruste. Nur wenige Tourengeher sind bei diesen Verhältnissen unterwegs, und so ziehen wir alleine durch die stille Bergwelt. Die Luft ist frisch und klar, und alles scheint im Licht der Morgensonne zu leuchten. Ein Traumtag.


Nichts als Schnee und Sonne. Im Aufstieg zur Sousegg.

Erst zaghaft, dann beherzt, schwingen wir die ersten Hänge hinunter und ziehen unsere Linien in den dünnen Pulverschnee. Wie immer geht es viel zu schnell. An die braungebrannten Holzwände einer Alphütte gelehnt sitzen wir schliesslich in der Sonne und hören dem Tropfen des Schmelzwassers zu. Es ist fast schon Frühling...


4 commentaires:

Hagezusr a dit…

Sagenhaft! Traumhaft! Wenigstens hat die Schweiz noch ihre Berge, wenn schon das Mittelland zugebaut und -müllt wird. Und das Licht im Schnee ist atemberaubend.

Der Wilderer a dit…

Darum bin ich so froh in diesem Land zu leben. Im Ruhrgebiet oder in Milano hätt ich wohl schon längst Depressionen ; )

Tschingelfälder a dit…

Also folgt ihr meinen Spuren......

Ich bin mächtig stolz! ...und mag Euch die sonnigen Tage in den Bergen von Herzen gönnen. Lasst mir nächstes mal die kühnen Spitzen der Lobhörner grüssen!

Der Wilderer a dit…

Schön! Wenn Du Dein Knie fleissig trainierst und der von mir erwartete nasse Frühling genügend Schnee bringt, sind wir vielleicht bald umhi zämen underwägs...