mai 26, 2007

Im Såfien

Es ist ein warmer Maientag, die Gipfel leuchten weiss in der Nachmittagssonne, in der kleinen Lichtung im Bergwald riecht es nach tannigem Harz. Ein paar Äste glosen in der Feuerstelle, Felipe spielt auf seiner Gitarre ein stilles Lied. Es ist ein besonderer Tag heute: Maria und Marco heiraten - nicht in der Kirche, sondern hier draussen, in der urwüchsigen Natur des Safientals. Eine heidnische Hochzeit, im kleinen Kreise unter freiem Himmel. Wir stehen zusammen, wünschen dem jungen Paar alles gute und e Stuba voll Chind. Ein Horn mit süssem Kräuterwein besiegelt den Bund.

Am Abend dann das grosse Fest: Alle sind sie gekommen, die Bauern von ihren abgelegenen Höfen, die Jäger im stolzen grünen Tuch, alte Frauen in der Safier Sonntagstracht, aber auch Verwandte aus der Grosstadt, aus Nigeria und Brasilien. Das grosse Festzelt wirkt wie eine Halle, es riecht nach Rauch und gebratenem Fleisch. Ein ehemaliger Senn spielt alte Lumpenlieder, der Weisswein fliesst in Strömen, man erzählt sich Wilderergeschichten, tanzt, lacht, und ich lerne die ersten Worte Portugiesisch. Als irgendwann die letzten Paare von der Tanzbühne wanken, beleuchtet die Sonne schon wieder die Gipfel.

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