juillet 20, 2007

Engiadina

Sie ist eine der Landschaften, welche die europäische Kultur geprägt hat wie kaum eine andere - die Engiadina. Nietzsche war hier, träumte auf geruhsamen Wanderungen von Wildheit und Bergsteinereinsamkeit. Segantini zog sich hier in seine frostige Hütte zurück, um dem einmaligen Licht des Hochgebirges zu huldigen - und geschüttelt von Schmerzen einen einsamen Tod zu finden. Heute ist das einst so abgelegene Hochtal Tummelplatz der allzu reichen - sonnenbebrillte Italiener, gelangweilte Russen und geschäftstüchtige Flachländer haben die Romanen verdrängt, die hier, auf über 1700 Meter über Meer, Jahrhundertelang ihr Getreide angebaut und ihr Vieh gezüchtet hatten. Seit einigen Jahren locken die Berge um San Murezzan, Puntraschigna und Samedan auch die Wissenschaftler: In kaum einer anderen Alpenregion ist der Permafrost so leicht zugänglich wie hier. Blockgletscher werden vermessen und durchbohrt, späteiszeitliche Moränen kartiert, Murgänge analysiert - und Studenten in die Besonderheiten der Geophysik eingeweiht.



Es war Studentenleben nach Geographenart. Drei Tage lang stolperten wir über die mächtigen Felsbtrümmer des Blockgletschers Gianda Grischa, klemmten Geophone zwischen Granitblöcke, hämmerten Elektroden in die abschüssige, steinschlägige Blockgletscherstirn und versuchten unseren Toughbooks brauchbare Daten zu entlocken. Abends dann Entspannung: Abendrot am Piz Palü, Rotwein aus Südafrika, BRUCKNER, TAAKE und Orgasmatron. Dann, als der Sommer endlich auch im höchsten Winkel der Romania Einzug hielt, war es vorbei: Ein Heli brachte das Material zurück ins Tal, 50 000 Euro in einem simplen Netz an einem Seil. Als das Knattern verklungen war, kehrte auf der Gianda Grischa wieder Ruhe ein. Und für mich begann ein neues Abenteuer - 2000 km weiter im Nordwesten...

Warum Geographie? Genau deshalb.

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