novembre 17, 2007

An Morgenden wie diesem...

....scheint die Sonne in die verschneiten Wälder auf den Bergen, lässt die Birs in ihrer neuen Aue aufleuchten wie ein Band aus Silber, den Atem der Pferde und den Rauhreif auf den Weiden glitzern wie ein kostbares Versprechen aus einem vergessenen Märchen. Da wird der unendlich kalte, schwarze Himmel plötzlich blau, und Flugzeuge ziehen ihre Bahn nach Westen - die Streifen in der Höhe erzählen davon, dass es so leicht geworden ist, sich einfach fortspicken zu lassen. Wer würde heute noch darüber singen?

An Morgenden wie diesen sind da aber auch die Leute, und die wollen auf den Zug. Die Leute, die unter der Woche jeden Tag uniform individualistisch zu ihrer Company fahren - alle immer gleich anders. Und die am Wochenende ihr wahres Ich ausleben wollen. Da gibt es nur noch drei Gruppen: Die Sportler, die mit alpinistischem Kriegsgerät und grimmem Blick in die Berge ziehen. Die Betrunkenen, die sich im Morgenlicht an die letzte Bierdose klammern und nicht nach Hause gehen wollen, weil dort so verdammt nichts ist. Und das Heer der Bünzli, die früh ins Bett gegangen sind, um beim Verwandtenbesuch gut auszusehen. Je nach Zeit und Ort, habe ich schon allen drei Gruppen angehört. Egal welcher: Immer ziehe ich die verachtenden Blicke der anderen auf mich. Man beäugt sich, spöttelt, zeigt Überlegenheit.

Anstatt in den Himmel zu blicken, wo die Sonne ein flüchtiges Feuerwerk über die verschneiten Berge zaubert und die Raben sich tiefschwarz von zartblauen Himmel abheben. Für ein paar Minuten nur. Doch die Sonne und die Raben und die Berge, die vermarkten sich schlecht. Keiner schaut hin.

1 commentaire:

Der Wilderer a dit…
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