novembre 13, 2007

Urtiere

Sie sind so etwas wie die Könige der Alpen: Die Steinböcke, ursprünglich Einwanderer aus dem Orient, im Mittelalter Wappentiere stolzer Bergtäler, einst begehrte Jagdbeute, die im unwegsamen Gelände so manchen erfahrenen Jäger in den Tod lockten, schliesslich Emblem der ersten Schweizer Naturschützer. Es sind in der Tat "wunderliche und verwegene Thiere", wie eine Handschrift vor vierhundert Jahren festhielt. Ihr Reich sind die steilsten und unzugänglichsten Gebiete der Alpen, grasige Südhänge hoch ob der Waldgrenze, die dem Wanderer fast senkrecht vorkommen. Hier liegt selbst im Winter kaum Schnee - meist rutscht er schon nach wenigen Stunden wieder ab. Die Steinböcke, exzellente Kletterer, lassen sich hier im Stotzigen gerne das frische Gras schmecken, während die flachen Weiden weiter unten monatelang vom Schnee begraben sind.


Eines ihrer Lieblingsgebiete ist der Brienzergrat. Hier, über tausend Meter über dem eisigen Brienzersee, finden sie, was sie suchen: Windexponierte Rücken und sonnenbeschienene Steilhänge, wo auch im Spätherbst selten eine geschlossene Schneedecke liegt. Unzählige Geschichten gäbe es zu erzählen von Wilderern, die auf der Jagd nach den imposanten Trophäenträgern Leib und Leben riskieren. Ich habe bei meinem Besuch die Flinte zu Hause gelassen - der Wilderer von heute schiesst nur noch mit der Kamera.

Blick ins Haslital

Urvieh: Capra ibex ibex

Nie weit: Der Blagrapp (Corvus Corax)

Tiefblick: Am Grat, hoch über Hinderlachen

Ein Fjord in den Alpen: Der Brienzersee



Es ist ein gewaltiges Reich, das sich die Einwanderer aus Anatolien hier ausgesucht haben. Zu beiden Seiten fallen die felsdurchsetzen Grasflanken hunderte von Metern ab, unten schimmert der Brienzersee wie ein arktischer Fjord, blaugrün gefärbt von der Gletschermilch der Haslitaler Eisgiganten. Weit im Norden lugen die dunklen Höhenzüge des Schwarzwalds aus dem Wolkenmeer, und im Süden ragen die eisüberwallten Felsabbrüche von Eiger, Mönch und Jungfrau in den Himmel. Unten in den Tälern ist es schon lange am dämmern, als die letzten Sonnenstrahlen die Firne rosenrot färben. Dann bricht die Nacht herein über dem Berner Oberland - das im abendlichen Dunst wirkt, als hätte der Mensch diese Urlandschaft eben erst betreten....


Abendstimmung über dem Thunersee

2 commentaires:

Blagrapp a dit…

...und wieder das Augstmatthorn! Ein Heimatberg, zu dem ich seit frühester Jugend aufgeschaut habe. Er war der Eckpfeiler der nordwestlichen Abendsilhouette, wenn ein arbeitsreicher Alpsommertag verdämmerte, oder aber der stolze Wächter über dem herbstlichen Nebelmeer.
Der vom "Gruebengrosatt" vererbte Blick für die Schönheit der Berge lebt wieder auf! Gott sei Dank!

mgb a dit…

einfach nur schön die bilder.