décembre 14, 2007

Hemdsärmlig

Er war die Ikone der Bergler und der Bodenständigen: Christoph Blocher, der ehemalige Bauernknecht aus der Ostschweiz, der auch als Unternehmer und Politiker immer sprach wie einer aus dem Volk. Ich kann mich erinnern, wie er vor fünfzehn Jahren in einer Haslitaler Beiz sass, am Stammtisch mit Berbgauern, Handwerkern und Arbeitern. Einer der mächtigsten Männer des Landes, ganz ohne Polizeischutz und Bodyguards. Einfach so.

Für die Leute am Stammtisch war er einer der ihren. Die Verkörperung schweizerisch-alemannischer Werte: Geradlinigkeit, Fleiss, Wehrhaftigkeit. Und eine tiefe Abneigung gegen tumms Züüg aller Art. So haben sie ihn gewählt, den Blocher. Weil sie die alte Schweiz wieder haben wollten. Eine Schweiz, in der harte Arbeit wieder mehr zählen sollte als wohlklingende Titel. Und in dem die längst zur Randregion degradierte Urschweiz wieder das Sagen haben sollte.

Jahre später erlebte ich im Deutschjura die Gründung einer SVP-Bezirkspartei. Ein pensionierter Arbeiter erhob sich und hielt eine Jubelrede auf ihn, den Blocher. In ergreifender Schlichtheit erzählte er, wie man ihn in der Fabrik gedemüdigt hatte, wie die freisinnigen Fabrikherren politische Gefolgschaft einforderten und jedem Arbeit und Wohnung wegnahmen, der aufzumucken wagte. Nun gebe es endlich wieder einen, der das Maul aufmachen dürfe. Im Hintergrund verzog ein feiner Herr in Anzug und Krawatte kaum merklich die Miene. Es war der Vertreter der Kantonalpartei.

Nun haben sie ihn abgewählt, die Verweichlichten und Verbildeten von da oben. Und der Blocher, der unbeirrbar einfach weitermachen will, ist endgültig zum Helden der währschaften Schweizer geworden. Er, der studierte Jurist, der mit eiskalten Winkelzügen zum Grossunternehmer wurde. Der sich ein eigenes Schloss leistet und teure Kunst sammelt. Der zeitlebens die Nähe der wirklich Reichen und richtig Mächtigen gesucht hat. Der, ganz reformierter Pfarrerssohn, fest daran glaubt, dass es der Herrgott nicht mit allen gleich gut meine. Und deshalb den freien Markt auch über das Berggebiet verhängen wollte, das ohne Geld aus Bern schon längst entvölkert wäre. Hätte er wirklich regieren können, den kleinen Leuten vom Land wäre Hören und Sehen vergangen.


Aucun commentaire: