janvier 03, 2008

Der Klang von Eisen

Und wieder einmal zogen sie am letzten Werkabend des Jahres durch Meiringen. Hunderte von Männern, unter ihnen auch einige Frauen, schwere geschmiedete Treicheln in den Händen, im langsamen, wiegenden Takt. Natürlich war es kalt, viele hatten seit Tagen nicht mehr geschlafen. Dennoch zogen sie immer weiter, Schritt für Schritt, Schwung für Schwung, bis irgendwann die Morgensonne über die Berge lugte und die Fassaden der Häuser hell aufleuchten liess.
Wie Schatten aus einer anderen Welt marschierten sie in die Wirtshäuser ein und liessen mit ihrem Lärmen die Zeit stillstehen. Um dann, nach dem einen oder anderen schnell hinuntergestürzten Bier, wieder weiterzuziehen. Bis weit in den Nachmittag hinein hallte das Brätschen der Treicheln durch die Ortschaft. Dann, nach drei Nächten ununterbrochenen Lärmens, verhallten die letzten Triichelklänge endgültig.
Nun kehrt wieder der Alltag ein in den Dörfern zuoberst an der Aar. Bis es irgendwann im nächsten Winter wieder Zeit wird, in der Heiligen Nacht am offenen Ofenfeuer Käse zu braten - und die Reste den wiederkehrenden Toten auf den Tisch zu stellen. Und darauf schon bald wieder die ersten Treichelgruppen durch die Dörfer ziehen. So, wie sie es immer schon taten.

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