mars 13, 2008

Liebe (Bodø-Belp-Recife)

Belp ist so Bern. Ein behäbiges Riegelhaus mit Walmdach. Holz überall. Eine Standesbeamte, die im breitesten Dialekt doch noch die alte Autorität eines einst so selbstbewussten Staates Bern ausstrahlt. Ich stehe da, in den falschen Kleidern, mit der falschen Brille. Bin Trauzeuge. Und merke erst hier, im gedämpften Licht, was da eigentlich geschieht: Felipe heiratet. Meine Augen werden anstrengend.

Die beiden sind ein so schönes Paar. Sie, stilbewusst, intelligent, aus einem modernen Brasilien, das hier ob lauter erotisierter Samba-Romantik keiner wahrnimmt. Er, der Snowboarder, der in Norwegen gelebt hat und mit mir durch die einsame Wildnis Lapplands gezogen ist. Jetzt stehen wir hier im Riegelhaus, die Füsse fest auf dem gewichsten Parkett. Die Trauzeugen: Hier der struppige Wilderer, Heimatort Iseltwald, wohnhaft im rebellischen Jura. Dort Flavio, fancy und nicht nur irgendwie schwul. Aufgewachsen in der 5-Millionen-Metropole Recife, Wohnort Dublin. Und jetzt, für ein paar Stunden nur, im ganz alten Bernbiet.

Der Tag vergeht bei Häppchen, Bier und gut gemixten Drinks. Zwischendurch Skype mit Nordbrasilien. Auf dem Bildschirm die Grossmutter, die Tante, die kleine Schwester. Echtzeit von jenseits des Atlantiks. Danach ein Anruf aus Oslo. Von einem begeisterten norwegischen Telemarker, den die Liebe wohl bald nach Mexiko verschlägt. Vor dem Fenster riecht man den Rauch aus den Bauernhäusern des Gürbetals.

Abends, beim Zigarettenholen: Volksmusik in der behäbigen Beiz. Bassgeigen, Schwyzerörgeli, Tanz. Zurück beim Brautpaar bewegen sich unterdessen die Brasilianer. Sambaschritte. Die Nacht endet mit Tecktonik aus dem Netz - jenem urfranzösischen Mix aus belgischem Hardcore-Techno und mediterranem Happy-House.

Ein paar Stunden später: Euroaéroport Bâle-Mulhouse. Abschied. Man sieht sich natürlich bald wieder. Schweiz 2008.

Man wünscht alles, alles Gute. Feel Free. Ride Hard.

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