avril 03, 2008

Frost und Kohle

Sie ist der Grund, warum sich Norweger, Amerikaner und Russen auf Svalbard, der "kalten Küste", niederliessen und die hier die nördlichsten Siedlungen der Welt errichteten: Die Kohle. Entstanden vor Urzeiten, als das Insel-Archipel noch am Äquator lag und von üppigen Sümpfen und Wäldern bedeckt war, reizte sie 1906 den Geschäftssinn des amerikanischen Kapitalisten John Munroe Longyear, der in einem Seitenarm des Isfjorden eine Bergbausiedlung gründete. Seither durchlöchern Mineure das Sedimentgestein Spitzbergens, um dem Permafrost das einstige Schwarze Gold zu entreissen. Der Hunger nach dem tiefgefrorenen Brennstoff treibt die norwegischen und russischen Unternehmen immer tiefer in die arktische Wildnis hinaus - die Gruben um Longyearbyen sind längst erschöpft. Etwa jene, die unmittelbar oberhalb von Nybyen in die steilen Talflanken getrieben wurden.



Wie eine Geisterstadt trotzen sie dort der arktischen Witterung. Das Holz, aus dem Rampen und Fördergebäude errichtet worden sind, zersetzt sich in der ewigen Kälte kaum. Es ist, als seien die Grubenarbeiter erst gestern abgezogen. An den Spints hängen schwarz-weisse Pinups, in Fässern steht dick gewordenes Maschinenöl herum, Tische und Bänke stehen noch herum - zerfurcht von den Sackmessern von Studenten und Besuchern, welche die Mine trotz Einsturzgefahr besuchen.


In den Berg hinein kommt jedoch keiner mehr. Längst hat sich der Frost die Tunnel wieder geholt. Die rostigen Schienen, auf denen früher Loren die Steinkohle hinaus zur Rampe führten, verschwinden am Stolleneingang in massivem Eis. Und in den schmucklosen Räumen liegt im Winter feiner Triebschnee, den der Wind durch die Ritzen geblasen hat.

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