avril 11, 2008

Nordenskjøldtoppen

Hoch über dem Fjord erstreckt sich die weite Hochfläche des Plateaufjellet. Darüber türmt sich der höchste Gipfel Zentralspitzbergens auf: Der Nordenskjøldtoppen. Knapp über 1000 m hoch, herrschen hier Verhältnisse wie am Mont Blanc. Temperaturen, die im Winter weit unter - 30° stürzen können, Sturmwinde, und trotz der scheinbar lebensfeindlichen Umgebung Leben - oder Tod: Wir befinden uns im Eisbärenterritorium. Ursus Maritimus lebt zwar vorwiegend in der Nähe des Seeeises, wo er nach jungen Robben sucht. Doch auf dem Weg von einem Fjord zum andern wählt er die direkte Linie: Wenn es sein muss, über die höchsten Berge.

Wir sind auf der Hut, als wir uns durch das schmale Tal zum Grat hocharbeiten. Oberhalb der Krete könnte jederzeit eine weisse Schnauze auftauchen - wir laden unsere Gewehre durch und steigen weiter hoch. Dann wird die Landschaft plötzlich weit. Der Blick reicht weit hinaus auf den tiefblauen Isfjorden. Wieder ist es spät, die Sonne sinkt langsam und kaum merklich tiefer, die aufziehende Nacht taucht die verschneite Landschaft in eine magisches Blau.


Oben auf dem Gipfel scheint uns plötzlich die Sonne ins Gesicht. Im schattigen Tal habe ich sie lange nicht mehr so gesehen. Majestätisch, irgendwie liebevoll - und doch unendlich weit weg. Wir haben fast -30°, der Wind lässt die Temperaturen weiter sinken. Auf meiner Unterwäsche bilden sich Eiskristalle, das Feuerzeug ist eingefroren, die Akkus leer. Ich spüre meine Finger nicht mehr und bin glücklich - rund um mich nichts als Berge, Himmel, Schnee und Meer. Und vor uns die Abfahrt auf den Longyearbreen, 40° steil, feinster Pulverschnee, in dem die Ski wie von selbst fliegen....

Die Flanke ist schattig und kalt, die Sicht in der Dämmerung schlecht. Doch in diesem Schnee braucht man nichts zu sehen. Er nimmt jede Bewegung auf, trägt uns wie ein Luftkissen, lässt uns für ein paar flüchtige Minuten hinunter auf den Gletscher tanzen. Einige bange Sekunden und unendlich glückliche Augenblicke später stehen wir auf dem Longyearbreen. Der Rest ist gemütliches Skifahren. So wie damals, als Kind im Berner Oberland. Ich bin da, wo ich immer hin wollte. Souldope.

Auf Tour in der Arktis: Espen und Marek hoch über dem Isfjorden

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