avril 14, 2008

прощание колэсбэи

Zwei grosse Wohnhäuser stehen verlassen mitten in der Wildnis. Ein zerfallender Landesteg ragt hinaus in den Fjord. Die Sonne leuchtet über die See, lässt das frische Seeis glitzern und zaubert ein bisschen Wärme auf die gefrorenen Gesichter. Sobald das Knattern der Scooter verstummt ist, wird es atemberaubend still. Bis 2003 herrschte hier noch Hochbetrieb. Russische Arbeiter aus dem Donbass förderten hier Kohle, eine rauhe Männergemeinschaft, die mitten in der Arktis für ein paar Jahre einige Rubel mehr machen konnten, als es in den Gruben auf dem Festland möglich gewesen wäre. Dann wurde die Station geschlossen. Seit dem hat hier wieder die Wildnis Einzug gehalten.


© Jennifer Throop

In den Häusern ist das Arbeiterleben noch präsent. Wodkaflaschen stehen in der Küche, Postkarten und abgegriffene Illustrierte liegen herum. An die Holzwand eines Zimmer hat einer der Männer mit Filzstift einen letzten Abschiedsgruss hinterlassen: прощание колэсбэи. Auf Wiedersehen Colesbay.

Seeis in der Colesbukta

2 commentaires:

Marc-I. a dit…

in der norwegischen national geographic ausgabe vom mai ist ein artikel über die verlassenen russischen kohlebergwerke auf svalbard. die russen planen allem anschein nach die rückkehr: nicht in erster linie der kohle wegen, sondern viel mehr weil svalbard geographisch von nicht zu unterschätzender bedeutung ist, für die geltendmachung der territorialansprüche im nördlichen Eismeer... das ganze wird dann unter dem deckmantel der touristischen erschliessung - nach norwegischem "komm-besuch-den-knut" modell - vom stapel laufen. werde dir bei gelegenheit - d.h. auf einer tour diesen sommer!!! - das heft mitbringen

Der Wilderer a dit…

Jo, bin ich sehr gespannt drauf! Wenn wir ehrlich sind, geht es ja auch den Norwegern nicht so sehr um die paar Felshaufen dort oben, sondern um strategische Interessen. Öl, Gas, Fisch - es geht um das Meer, nicht um die Insel. Und mit der UNIS, dem aufstrebenden Tourismus und den ersten Kindern, die dort aufwachsen, wird Svalbard immer mehr zu einem normalen Stück Norwegen. Es ist erstaunlich wie wenig sich die Leute dort bewusst sind, dass sie eigentlich nicht auf norwegischem Staatsgebiet leben. Dazu später mehr.....

Vi ses på tur! -P