avril 15, 2008

Waffen und Motoren

Geographen tragen Nickelbrillen und Sandalen, sind irgendwie öko und meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Soweit das Klischee. Hier oben sieht das alles etwas anderes aus. Fieldwork in der Arktis ist hostile und rock'n'roll. Das fängt schon an, wenn am Morgen die Scooter starten und die Landschaft mit einer Wolke von Benzindunst überziehen. Mit siebzig Stundenkilometern durch die Wildnis, die Flinte auf dem Rücken und auf einem der Schlitten schweres Gerät. Das ist dann ein bisschen wie Easy Rider - vor allem wenn einer der Scooter plötzlich aus der Spur gerät und die ganze Crew abwirft. Was schon Mal vorkommen kann.

Fieldwork, das ist auch eine Mischung aus Ingenieurs- und Bauarbeit. Und vor allem geduldiges Improvisieren. Etwa wenn für eine geoelektrische Untersuchung unzählige Sonden an die Kabel angeschlossen werden müssen. Und die Messung am Ende doch nicht zu Stande kommt, weil einige der Elektroden aus irgendeinem Grund den Kontakt verloren haben. Oder wenn ein Eiskeil untersucht werden muss: Tagelanges Pickeln im gefrorenen Grund, bis man endlich einen Schlagbohrer auftreiben kann, der dieselbe Arbeit in ein paar Stunden erledegt.

Geoelektrik im Adventdalen

Kjersti mit Trophäe

Vorallem macht das Ganze aber auch Spass. Schwitzen, tüfteln, pröbeln - und immer wieder warten. Etwa darauf, dass uns der alte Belt Wagon der UNIS abholt - ein abenteuerliches norwegisches Militärfahrzeug, dass sich mit seinen Raupen und Luftansaugstutzen auf dem Dach einen Weg durch fast jegliches erdenkliche Gelände bahnt, aber kaum zu steuern ist. Dicht an dicht sitzt man dann in der Kabine, ohne Blick nach draussen, wird durchgeschüttelt wie in einem trudelnden Flieger und kommt sich auch sonst vor wie ein Falschirmjäger auf dem Weg zum letzten Gefecht. Bis irgendwann der Alarm losgeht und das OK zum Aussteigen gibt.


So richtig abenteuerlich wird Feldarbeit auf Svalbard aber erst, wenn das Wetter umschlägt. Die Sicht geht gegen Null, die Datalogger sind unauffindbar unter den Schneewehen verschwunden. Der Wind jagt jedes unachtsam liegengebliebene Ausrüstungsstück erbarmungslos davon, wer bei der Wahl der Ausrüstung etwas zu optimistisch war, hofft stundenlang, dass alles bald vorbei ist. Und ja - auch wenn man sich nur noch in seine Messungen vertieft, darf der Blick über die Schulter nie vergessen gehen. Der Eisbär ist auch White Out unterwegs.

BTS-Messungen im Schneesturm



Pictures: Jenny (1, 2), Ole (3, 8), Peter (4), Joe (5, 6, 7)

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