novembre 26, 2009

Sturm auf dem Gestler


Was machen zwei Berner, wenn das Liebesglück mal wieder allen anderen zufällt, das Geld nicht reicht, die Hangover hart sind und das Wetter schlecht? Sie gehen auf Tour. Und heute ist der beste Tag dafür. Sturmwarnung für die ganze Schweiz, Schnee bis in die Niederungen. Schwerer Winter. Ein Tag für den Gestler. Denn an solchen Tagen ist man dort oben ganz allein. Allein mit den Geistern, die im Wind den Alpen zutreiben, heulen und alls wein zerschriissen, wie die Sage erzählt.




Als wir auf den Weiden oberhalb Biel mit einem Cheli starten, ist von dem Eisinferno oben auf dem Grat noch wenig zu spüren. Winterromantik liegt über dem Land, dicke, weiche Flocken, alles eingehüllt in Weiss, dazwischen ein paar struppige Rinder von irgendeiner windumtosten Insel im Nordatlantik.









Ein paar Stunden sind wir so unterwegs, Märchenwald, lauschige Lichtungen, Stille. Bis wir auf dem Grat sind, dort wo selbst die Bäume dem Jurawinter nicht mehr standhalten mögen, und der Sturm uns voll erwischt.



Nach Minuten sind die Gesichter rot, die Wangen taub. Eis schmerzt in den Augen, das Schneetreiben nimmt die Sicht, und das Gehen fällt schwer. Oben eine kurze Rast, wir brüllen uns an im Sturm, verstehen kaum etwas. Ein Schluck auf die Hohen, ein Schluck auf uns. Dann wird es dunkel. Und das Winterblut fühlt seinen Daumen nicht mehr. Der Wind höhnt.



In stockfinstrer Nacht geht es durch hüfttiefe Schneewehen hinunter. Von Wegen und Strassen ist nichts mehr zu sehen. Es ist, also ob die Wälder kreischten. Dann erlischt die letzte Stirnlampe.

 Ein paar Stunden später sitzen wir in La Neuveville am Bielersee. Schneeregen, mittelalterliche Gassen vor dem Fenster, Bielerseefisch und Weisswein aus dem Ort auf dem Tisch. Und mögen selber fast nicht glauben, wie anders die Welt dort oben heute ist, auf dem Gestler.



Aucun commentaire: