février 18, 2010

Lowweni

 Schneebrett am Nordenskiöldfjellet.

Ein ganzer Tag Lawinenkurs, die Norweger nehmens gründlich. Auch wenn das, was sie als "safety first" bezeichnen, in den Alpen wohl als versuchte eventualvorsätzliche Tötung gewertet würde – sofern kein Schweizer Militärgericht entscheidet. 

Das Problem: Es gibt in Spitzbergen – noch – kein professionelles Lawinenbulletin. Die Einschätzung erfolgt deshalb ähnlich wie in den Alpen in den achtziger Jahren. Grundsätzlich geht man hier davon aus, das aufgrund der Wettergeschichte, der Exposition und der Hangneigung gefährliche von ungefährlichen Hängen unterschieden werden können. Soweit so gut, die Konsequenz wäre dann aber, den winterlichen Pulverschnee zu meiden und nur im Frühling auf Tour zu gehen. Die Alternative ist, sein Bulletin selbst zu erstellen und anhand von Schneeprofilen und Rutschblocks zu entscheiden, ob man gehen kann oder nicht. Die leidvolle Erfahrung, die man in den Alpen gemacht hat, ist aber, dass so ein Rutschblock stehen bleiben kann, während der ganze Rest des Hangs niedergeht.

Kurzum geht man in der Arktis also so auf Skitour, wie in Anno Tobak in den Alpen. Geht halt nicht anders. Eines habe ich in dem Kurs aber gelernt: Schaufeln ist nicht schaufeln. Mit einer gescheiten Technik (von unten her graben, Teamwork in V-Form, die Leute schnell auswechseln) kann man bei der Rettung entscheidende Minuten einsparen, die Leben retten können. Interessant war ausserdem, den unvermeidlichen Clusterfuck zu erleben, der bei einer Rettung mitspielt: Sobald mehr als drei Leute auf dem Platz sind, endet schnell einmal alles im Chaos. Wir brauchten 18 Minuten, um unser Opfer, einen Rucksack, auszugraben. Das ist soweit ok, hätten aber alle ihr LVS richtig bedient und hätte man nicht diskutiert, wäre es in der Hälfte der Zeit gegangen. Im Ernstfall ist das der Unterschied zwischen Leben und Tod.

Nächste Woche ist Gletscherrettung dran, ich bin gespannt, was da die norwegische Doktrin ist. Denn auch hier gilt: Die skandinavische Kultur ist risikobereiter, und die arktischen Gletscher sind ganz anders. Meistens.

18.02.2010

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