mars 21, 2010

Ostarun


Für mich ist es längst Tradition. Wenn die der Tag zum ersten Mal wieder länger wird als die Nacht, feiere ich mein Ostern: Am liebsten auf einem Berg, wo man den Feuerball feurig über einem Grat aufgehen kann, mit einem Feuer und einem kühlen Weisswein in der Morgenfrische. Hier oben ist das etwas schwieriger. Nach ein paar kalten, aber sonnigen Tagen hat sich das arktische Wetter pünktlich zurück gemeldet. So steige ich mutterseelenallein in aller Herrgottsfrühe über den Gletscher hoch, Schneegraupel im Gesicht, die Landschaft hinter einem flimmernden Schleier aus windgepeitschtem Schnee versteckt. Je höher ich gelange, desto schlechter wird die Sicht. Oben auf dem Grat herrscht totales White Out. Ich kann gerade noch einen Schluck halbgefrorenen Weisswein auf die Oster stürzen, als die Sicht gänzlich verschwindet. Meine Spuren sind verweht, der Nebel so dick, dass ich nicht weiss, wo oben und unten ist. Mir hilft nur der Kompass im Kopf - ich war schon öfter hier, habe die Spur irgendwie noch im Gefühl. Langsam steige ich ab, die Ski auf der Schulter, mit den Stöcken immer wieder die Hangneigung und den Schnee prüfend. Irgendwann wird es flach, und plötzlich reisst der Nebel auf. Im Windschatten ist sogar die Spur wieder zu sehen - ich bin nur ein paar Meter daneben. 



Das Osterfrühstück gibt es mit dicken weissen Flocken vor dem Fenster. Am Abend geht es mit Niels Stomps, einem niederländischen Photographen, der hier seit Jahren an einem Projekt arbeitet und dem ich immer wieder über den Weg laufe, Stockfisch essen - als Bacalhao, was diesem eigenwilligen Stück «Arctic Food» doch einen Hauch von Sommer und Wärme verleiht...

21.03.2010

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