mai 29, 2010

Aussichten


Es ist irgendwann spät Abends, als mich das Licht doch noch aus der Barracke lockt. Der Nordenskiöldtoppen leuchtet weiss in der Abendsonne und sieht aus wie ein alpiner Viertausender. In den Felswänden über dem Tal bescheint die Sonne die verbliebenen Wächten, und man kann die Vögel um die brüchigen Gendarmen der Grate kreisen sehen. Der ideale Moment für einen Spaziergang. 



Über steile Geröllfelder geht es auf einen kleinen Felsabsatz über Sverdrupbyen. Die Aussicht soll phantastisch sein dort oben, auch wenn man hier nicht gehen sollte, wenn man den Steinschlag fürchtet. Der Kurztrip lohnt sich: Longyearbyen liegt mir zu Füssen, der Fjord leuchtet im flachen Licht, das Hjorthfjellet scheint zum Greifen nah.



Und ich bin nicht der einzige, den es an diesem Abend noch schnell obsi gezogen hat - ich habe einen neugierigen Begleiter gefunden: Ein Polarfuchs kommt bis auf ein paar Meter an mich heran und schaut mich unverwandt an. Ihm geht es hier wohl weniger um die Aussicht auf die Stadt – sondern um jene auf Eier aus den Nestern der Vögel in den Felsen über uns. In der Arktis ist Eggtid, wie die Wikinger die Zeit von Ende Mai bis mitte Juni nannten. 

Vielleicht ist es das Jagdfieber des Fuchses, das mich dazu bringt, noch etwas höher zu klettern, ganz nahe an einen der Vögel heran. Die beste Idee ist das nicht: Das Gestein ist derart brüchig, dass normales Klettern unmöglich ist. Der einzige Weg, nicht aus der Wand zu stürzen, ist die «Schubladentechnik»: Sämtliche Griffe müssen so belastet werden, dass sie in die Wand gedrückt und nicht aus ihr herausgezogen werden. Nach ein paar Metern habe ich genug. Als ich endlich erleichtert wieder auf dem Gras stehe, ist er wieder da, der Polarfuchs. Sorry Junge, habe nichts gefunden....




29.05.2010

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