mai 17, 2010

Svalbard, i rødt, hvit og blått...


Was den Schweizern der erste August, ist den Norwegern der 17. Mai. Nur dass sie ihren Nationalfeiertag etwas patriotischer feiern: In jedem noch so kleinen Dorf gibt es grosse Umzüge, man trägt Tracht und zeigt Flagge, singt die offizielle und all die inoffiziellen Nationalhymnen und gibt sich schliesslich – es ist ja Frühling – den Genüssen des Sommers hin: Pølse (die zum heimlichen Nationalgericht aufgestiegenen skandinavischen Hotdogs), Utepils (Bier im Freien) und Iskrem für die Kleinen. Eine Besonderheit der Norweger ist, dass sie ihren Tag umso imbrünstiger feiern, je weiter sie von den heimatlichen Fjorden entfernt sind: Am Fernsehen kann man Forscher in der Antarktis und Skipper irgendwo in der Südsee mit rot-weiss-blauen Fahnen sehen, und natürlich fehlt auch Spitzbergen – unnskyld, Svalbard  – im patriotischen Bilderreigen nicht. Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal dabei.


Und so lerne ich, dass der Nationalfeiertag eigentlich am Abend zuvor beginnt, wenn sich alle so recht skikkelig betrinken, was die bleichen Gesichter am Umzug am nächsten Morgen erklärt. Ich ziehe dem Besäufnis eine kleine Skitour in der Mitternachtssonne vor, natürlich mit einem norwegischen Fähnchen im Gepäck. Am nächsten Morgen wecken mich die Böllerschüsse und der Duft eines norwegischen Frühstücks in der Barracke. Zwei Stunde später stehen wir vor dem Kirchlein und reihen uns mit UNIS-Jacken und -Fahnen in den Umzug ein. Blasmusik spielt, die Norweger singen, von nationalem Pathos ist aber wenig zu spüren: Der Nationalfeiertag in Norwegen ist wenig politisch – zumindest hier oben geht es allen um die Freude an ihrem Norwegen, als Ausländer fühlt man sich herzlich wilkommen. Ein paar ernsthafte Worte gibt es am Ende noch am Bautastein, der für jene Svalbardianer errichtet worden ist, die beim Versuch, die Insel von den Deutschen zurückzuerobern, auf See ums Leben kamen. Bemerkenswerterweise wird die gesamte Rede ins Russische übersetzt – das Lob auf die Freundschaft mit den russischen Nachbarn in Barentsburg kann nicht ganz über den schwelenden Konflikt um die Territorialansprüche in der Arktis hinwegtäuschen. Hier und heute interessiert das aber niemanden – sobald der Umzug absolviert ist, verschwindet das Volk in der Sporthalle, wo man sich in  traditionellen Spielen wie Sackhüpfen und Mädchentragen übt. Oder vor die Kroa, wo es in der wärmenden Sonne ein kühles Bier gibt...

 

17.05.2010

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