juin 14, 2010

Dye Tracing



Mit der Schneeschmelze beginnt für uns die arbeitsreichste Zeit des Jahres: Der Fluorometer oben in der Moräne des Rieperbreens ist installiert, die Batterien noch voll, die Injektionsschächte auf dem Gletscher gegraben. Nun ist Dye Tracing angesagt. Das geht - vereinfacht erklärt - so: Nachdem die Geräte installiert sind, stapfe ich auf den Gletscher hoch und schütte einige Milliliter Rhodamin in einen Schmelzwasserkanal an der Gletscheroberfläche - der zur Zeit noch tief unter dem Schnee vergraben liegt.


Das Rhodamin löst sich im Wasser, dass in eine Gletschermühle stürzt und sich einen Weg unter dem Eis sucht. Unterhalb des Gletschertors pumpen wir etwas Wasser durch den Fluorometer, welcher die Fluoreszenz der Lösung misst und aufzeichnet. Kommt alles Rhodamin in kurzer Zeit und auf einmal, geht man davon aus, dass sich unter dem Gletscher ein leistungsfähiger Kanal befindet, welcher das Schmelzwasser schnell und effizient abtransportiert. Kommt der Tracer spät und über eine lange Zeit verteilt, gilt dies als Hinweis auf ein ineffizientes hydraulisches System: Es gibt keine grossen Höhlen, und das Wasser muss sich seinen Weg durch winzige Ritzen und Hohlräume suchen. 


Dank unserer Höhlenkartierung wissen wir jedoch, dass sich der Kanal am Bett des Gletschers im Winter nicht schliessst (Wer es etwas wissenschaftlicher mag, kann sich mal dieses Paper durchlesen). Falls wir nun herausfinden, dass das Rhodamin zu Beginn der Schmelzsaison trotzdem nur langsam zum Gletschertor vordringt, gerät diese Erklärung ins Wanken. Genau dafür sind wir hier.

Bei der Messtation: Das Gelände ist unübersichtlich, das Gewehr immer dabei.


Sat-Phone, Schläuche, Autobatterie und Fluorometer: Unsere Ausrüstung im Feld. 


Injektionsschacht mit Rhodamin-Fleck im Schnee: Da unten stürzt sich das Schmelzwasser in die Gletschermühle. 

Tatsächlich kommt unser Tracer spät und über einen langen Zeitraum verteilt an der Messtation an. Zur Zeit besteht unser Fieldwork deshalb vorallem aus warten. Das ist schön, wenn die Sonne scheint, aber zehrend wenn es kalt ist und schneit. Wenn wir nach Stunden am Gletscherbach endlich den Rückweg durch das Bolterdalen antreten können, macht uns das Gewicht der Batterien, die von Zeit zu Zeit zurückgetragen und neu aufgeladen werden müssen, nichts mehr aus: Wenigstens haben wir wieder Bewegung und können die Landschaft anschauen – und nicht nur den Display des Fluorometers...

Bei der Gletschermühle auf dem Rieperbreen.

Das erste Schmelzwasser fliesst ins Tal. Noch ist es nur wenig, und die Geschwindigkeit, mit der das Wasser das Rhodamin transportiert, ist gering.

14.06.2010
deep north



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