octobre 25, 2010

Wintervollmond in der Grönlandsee


Es ist eine tiefblaue Nacht hier oben in Longyearbyen, die verschneiten Berge leuchten still im Mondlicht, ein kalter Wind treibt Wolken über den Fjord. Langsam gehe ich an den Strand, über gefrorenes Kies. Eisschollen wogen mit den Wellen auf und ab, und mir ist kalt. Doch diese Nacht ist eine besondere: Es ist der Wintervollmond, der am Himmel steht, für mich der Tag, an dem der Winter beginnt. Ich habe dunkles Bier dabei, gebe es in eine Schüssel, hebe es hoch zum Mond und giesse es in die See. Mit dem Rest trinke ich auf die uralten Götter, auf die schon die Wikinger trauten, als sie die eisigen Meere der Arktis vor über tausend Jahren zum ersten Mal befuhren: Odhinn, der alle Wege kennt. Thorr, dessen Kraft vor all den ungeheuren Mächten schützt, die in den Einöden Niflheims wirken. Njordhr, für gutes Wetter und Hilfe in Not. Kaum bin ich fertig, verschlucken die Wolken den Mond. In einem Jahr werde ich ihn wiedersehen, irgendwo in den Wäldern der Alpen daheim. Und meine Götter wieder grüssen, mit den vertrauten Namen meiner eigenen Sprache.

Langsam gehe ich heim, der Schnee knirscht, die Kälte beisst auf der Haut. Spät Abends dann, die anderen sind schon lange im Bett, gibt es in meiner Küche ein kleines Festmahl: Mit Rotwein, Pilzen und Braunkäse gekochter Wal, süsser Rotkohl und Kartoffeln. Mein Sommer ist vorbei, und ich freue mich auf eine strenge, und doch ruhigere Zeit. Es war ein gutes Fest – der Winter kann beginnen. Til ars ok fridhar.

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