novembre 10, 2010

Höhlen, Nordlichter, und ein langer Abschied

Bild: Paul D.

Polarnacht. Das letzte Licht ist verschwunden, über Mittag eine halbe Stunde gespenstisches Dämmerlicht, sonst nichts als Schwarz, wenn das Wetter gut ist, Sterne – und immer wieder der Tanz der Nordlichter. Noch ist meine Arbeit nicht zu Ende: Es geht wieder hinunter, dorthin, wo das die Dunkelheit noch undurchdringlicher ist: In die Gletscherhöhle. Im Frühling sind wir noch abgeseilt, nun haben wir einen neuen Eingang gefunden. Die schmale Spalte im Geröll liegt bereits zwei Meter unter dem Schnee, man muss sich durchschaufeln, dann hineinzwängen, so, dass man nicht sieht ob die Füsse auf der steilen, mit dickem, feuchtem Eis überzogenen Halde die hinunter zum Kanal des erstorbenen Gletscherbachs Halt finden. Unten ist es klamm und eng. Ein feiner Wasserfilm liegt über dem gefrorenen Bach, die Nässe dringt an Kragen und Ärmeln in den Höhlenanzug. Mühsam schiebt man sich vorwärts, durch Engstellen, die es nicht einmal erlauben, den Kopf zu drehen. 



Es sind die letzten Mühen und Abenteuer hier oben. Durchnässt und halb erfroren schleppen wir uns abends durch den tiefen Schnee das Bolterdalen hinaus zum Hundegarden. Wo uns über den Bergkuppen hinten im Tal das Nordlicht verabschiedet.

Bilder: Anne H.

Am 14. November 2010 endet der letzte Feldtag. Danach: Packen, Daten auswerten, Poster schreiben. Und dann geht der Flieger, trägt mich hinaus aus der Polarnacht, über Tromsø, Oslo, Kopenhagen und Zürich zurück in die Schweiz. Dort warten die Wälder des Juras und die Gipfel und Schluchten der Alpen. Die Geschichte geht weiter.

10.11.2010


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