décembre 26, 2010

Die Kristallfee


Ein Weihnachtsmorgen, du stehst auf, und die Welt blendet dich. Der sonst so dunkle Wald glitzert in schönstem Weiss, eine Sonne ohne jede Wärme leuchtet am glanzhellen Himmel. Eine Welt aus Kristall gleich draussen vor dem Fenster – was hält dich, was willst du Bücher lesen: Hinaus, hinauf, so kalt und schön war dir die Welt schon lang nicht mehr!



Hinaus, hinauf, also, mit Jagdstiefeln durch den federweissen Pulverschnee, in den Wald, der dich nicht mehr zu kennen scheint. Er verbirgt dir die Schleichwege durch Dickicht, Fels und Wurzelwerk unter einem grossen weissen Schweigen aus Schnee. 

Du schwitzst und suchst und kämpfst und findest deinen Felsen dennoch. Nun sitzt du dort, eingepackt in isländische Wolle und arktische Daune, in einer grimmigen aber windlosen und stillen Kälte, blickst in die Sonne die untergeht und die Wälder, deren Kälte der spärlichen Wärme immer noch trozt. Skaði ist hier, die grosse Scatach, die schönwüste Percht. Die wilde Mütter der Wälder, die Frau die so schön ist wie der Schnee – und so gefährlich wie die Kälte, die dich in ihrem trügend warmen Mantel erfrieren und verschollengehen lässt.


Es ist die petite bleue, die mich so denken lässt. Die Fée des Juras, an lauen Sommerabenden lasziv und lustvoll träge, jetzt aber wild und voll eisiger Keuschheit. Ich habe sie mit Schnee angerührt, das Elixir mit den Eiskristallen verrührt, bis die Louche sich langsam, schichtenweise, im Glas ausgebreitet hat. Sie ist stark und schön. Das Land liegt schon im Schatten, als sich das letzte Sonnenlicht spiegelt im Glas.



Du gehst im letzten Licht, der Abstieg führt über verschneite Wurzelstöcke und Felsen. In tiefster  Nacht kommst du ins Tal, in ein Dorf, dort gibt es eine Beiz, dort sitzen die Jäger und essen Speck und trinken Bier. Am nächsten Morgen bist du auf der Arbeit, in der grossen Stadt. Und erinnerst dich mit einem leichten Kopfschmerz an dieses savoir vivre jurassien. Und das Rendez-vous mit der Kristallfee, der scheidenden Sonne und der Mutter der Wälder. Und denkst, du solltest endlich aufhören mit der Träumerei. 


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