décembre 06, 2010

En Suisse


Und dann ist man zurück in der Schweiz. Und mag sie nicht. Man mag nicht: Den ecklig warmen, faulen Winter. Die unerträgliche, dienerische Freundlichkeit der Leute. Den Dreck, die Gewalt, den Geiz und die Gier. Die unsägliche Versuche, sich modisch zu kleiden und zu bewegen (wo man das doch eigentlich bewundert!), weil die Schweizer das eben einfach nicht können und doch besser lassen würden. Man mag nicht das Gnomenhafte, Verängstigte, Kleingeistige dieser Voralpenrepublik.

Und dann geht man hinaus, und auf 1000 m über Meer steht ein Bauernhof im Schnee, dort ist es im Sommer kühl, im Winter sturmumtost, im Herbst und Frühling kalt und regnerisch genug um einen Bergenser das Heimweh zu lehren. Dort züchten sie tatsächlich Pferde und leben von fünfzehn Zentimeter Krume über dem Karst. Eine grosse Schweizerfahne weht dort im Wind, und drin hocken diese Bauern, die sturen, mühsahmen, die, an denen du als studierter (und in ihren Augen deshalb nichtsnutziger) Mensch manchmal doch verzweifeln möchtest. Und sie heissen dich auf diese bescheidene und zugleich selbstbewusste Art willkommen – du bist ja auch nur ein Mensch – und ihre Mundart und ihr Reden von denen da oben und uns wo wir keinen Staat brauchen, sicher nit! riecht nicht nach Stammtischstumpenrauch, sondern nach einer edlen und stolzen Idee von Freiheit. Und irgendwie wird einem dort dann doch ganz warm ums Herz. Das ist halt schon das Eigene – mag es oder nicht – du gehörst da eben doch dazu.

1 commentaire:

meteo a dit…

Hallo Wilderer

Ein sehr schöner Text, regt zum Nachdenken an. Weckt Sehnsüchte und Erinnerungen. Wunderbar.

Jura, Napf Appenzellerland. Das sind meine liebsten Gebiete der Schweiz. In Frankreich die Vogesen und das Massiv-central.

Ja, man geht weg von irgendwo, weil man den Mief nicht mehr ertragen kann. Die vielen Erinnerungen (gute und Schlechte), die man hat, streift man dadurch ab.

Und doch - nach einer gewissen Zeit - ruft das Herz. Bettelt, jammert und zieht an einem. Man fährt ab und an wieder zurück in die ehemalige Heimat und eine Freude überkommt einem, es klemmt einem den Hals zu und irgendwo drückt eine Träne hervor.

Heimweh.

Der Mensch ist eigenartig.

meteo