décembre 22, 2010

Wintergrüonen


Es ist eine seltsame Mittwinternacht in diesem Jahr. Pünktlich zum kürzesten Tag ist der Schnee weggetaut. Der Bach rauscht viel zu laut durch ein viel zu grünes Tal. Die Luft ist mild und lau, der Vollmond, der sich eben noch im Morgengrauen verdunkelt hatte, lässt die Felsen silbrig leuchten. Es riecht nach Erde, und ein seltsamer Hauch von Frühling liegt über dem Land. Diese Nacht steht für einmal nicht unter dem Zeichen der Kälte, unter der Macht des Wütenden, der kurz zuvor noch mit Schneetreiben und Sturm über die mit verwetterten Föhren bestanden Gipfel des Landes gezogen ist. Vielleicht aber unter dem Zeichen des Ebergottes,  dessen mächtiges Glied sich auch – und gerade – in diesen Nächten regt. Denn wo Tod ist, da ist auch neues Leben. 

Lange bevor die neuerwachte Sonne sich erhebt,  streifen wir durch einen nassen und modernden Wald. Im Gepäck kostbares Weihnachtsbier, eine geschnitzte Chuofa – schon der alte und heilige Columban musste sie erleben, die Alemannen am See, die in ihren Wäldern dem Wuodan, wie sie den Merkur nannten, daraus zutranken – und ein mächtiges Horn. Dort oben regnet es uns ins Gesicht, und jedem Trinkspruch folgt ein Wetterwechsel. Wir sprechen mit ihnen, die in uns sind und um uns auch, im Land, im Himmel, in jedem einzelnen Atemzug. 

Trinken wir also, mitten im Winter und in einem unwirklichen Waldfrühling, auf die erdigen Kräfte, die da plötzlich aus dem von der unzeitigen Schneeschmelze durchweichten Boden drängen. Trinken wir auf den Geruch von Wild, der im Aufstieg an uns vorbeigezogen ist. 

Denke ich. Und dann sagt sie: Ich will deine Kinder. Diese Nacht gehört dem Eber – und der Sau.

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