janvier 02, 2011

Die Zwölfte Nacht.

Irgendwo in der Nacht. Im Wald. Im Schnee. Im Frost. Neun Männer sammeln sich um eine Frau. In den Händen Horn, Holz und schweres Eisen. Ein schwächliches Feuer brennt zwischen rotrussigen Brocken aus Kalk. Tief in den schwarzen Gesichtern funkelt sein Widerschein im Augenweiss. Durch Fell und Leinen kriecht der Geruch von Schweiss und Schnaps und Stumpenrauch. Grimassen starren in den Himmel, und dann bricht, plötzlich und doch langsam, alles los: Hörner heulen durch den Wald, Trommeln schlagen dumpf, und schwer und zäh beginnen die Treicheln zu schwingen. Ohne Zeichen marschieren sie los, im immer gleichen, wiegenden Schritt. Sie ziehen wieder. Wo Weg ist und wo nicht, über sternenhelle schneebedeckte und durch dicht verschneiten Wald, vorbei an widerhallenden Felsen und schlafenden Hütten, immer weiter, als hätte dieser Lärm weder Anfang noch Ende, als wäre diese Nacht nie angebrochen, als würde sie nie vergehen. Das Wuotisheer ist unterwegs.
Schweiss rinnt über die geschwärzten Stirnen, dampfende Leiber liegen im Schnee. Für einen Augenblick ist das gewaltige Lärmen einem leisen Keuchen und Stöhnen gewichen. Feldflaschen gehen um, gefüllt mit starkem Elixir. Ein Hauch von Wermut mischt sich in den schweren Atem des Harsts. Dann stehen sie auf, beginnen zu singen. Mit aller verbleibenden Kraft. Trommelschlag pocht durch das Stimmengewirr. Die Hörner gellen, die Glocken klagen, das malmende Dröhnen der Treicheln setzt ein. Und wieder tanzen sie durch den Wald, wie gespenstisch weisse Schatten vor dem Schwarz des Tanns. Der Weg zum Feuer, zur Hütte, ist noch weit. Dort steht ein Kessel mit Fleisch auf dem Herd, dort trinkt man goldblondes Bier.  Dort werden sie die Wände zu zittern bringen mit ihrer höllenlärmenden Kraft. Und um Speis und Trank und einen Platz an den hölzernen Tischen nicht lange bitten.


Nigra scuta, tincta corpora: 
atras ad proelia noctes legunt: 
ipsaque formidine atque umbra 
feralis exercitus terrorem inferant
TACITUS


Der Wilderer dankt mit diesem Beitrag den Treichlern vom Schwarzen Berg, die diese Tradition unter grossem Einsatz lebendig erhalten. Zur Erinnerung hier noch eine kleine Heldengallerie mit den Bildern der anderen altgedienten Walapautze.

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