janvier 04, 2012

Römerberge


Eigentlich hatten die Alpen für mich immer etwas Nordisches. Die Wälder, der Nebel. Das Eis. Doch nordisch ist eigentlich nur der äusserste Saum dieses Gebirges, wo der Westwind anbrandet und die Menschen eine Sprache pflegen, die mehr norwegisch klingt als deutsch. 

Eigentlich sind die Alpen aber das Gebirge der Romanen. Italiener, Ladiner, Frankoprovençalen. Und ihre Berge sind anders als jene im Berner Oberland, oder in der Urschweiz. Ein Netz aus langgezogenen Tälern durchzieht sie, dazwischen eine Wildnis aus Fels und Geröll. Blockgletscher statt Schnee und Eis, Pässe und Hochtäler statt Süsswasserfjorde und Wasserfälle. Der Weg ins Flachland ist hier immer weit. 



Wenn man hier hochsteigt, sieht man nichts als Berge, kein Nebelmeer, keine grüne Weite am Horizont. Und dahinter nochmals Berge, dazwischen keine Einzelhöfe mit sonnenverbrannten Holzwänden, sondern Wald. Und im Tal schöne kompakte Dörfer, Renaissance-Kirchen, hohe Häuser aus Stein, mit kunstvoll bemalten Fassaden.


Ein Stück Rom in der Bergwildnis, ein Erbe aus der Zeit, als das junge Imperium über die Pässe noch Norden griff. Weit über die Hälfte dieses Gebirgslandes werden vom Quirinal aus regiert. 

ch stehe von meinem Stein auf, denn mir wird langsam kalt, und blicke hinunter auf San Bernardino. Eigentlich, denke ich, habe ich noch gar nichts gesehen von den Alpen. Ich muss tiefer hinein, in diese Römerberge. 



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