juillet 08, 2012

Auf den Spuren der Eisriesen


Wie in einem sorgsam angelegten Garten liegen im Val d' Es-Cha die Zeugen einer kalten Vergangenheit. Aus der Zeit des Big Freeze, Als die Temperaturen innert weniger Jahrzehnten stürzten, die Wälder Europas zugrunde gingen und einer trockenen baumlosen Tundra wichen, im nahen Osten die ersten Jäger und Sammler zu Bauern wurden, notgedrungen, weil die grosse Dürre ihre Wildgräser hätte aussterben lassen, hätten sie nicht angefangen, sie zu behüten und zu pflegen. Damals, vor rund dreizehn Jahrtausenden, stiessen sie zum letzten Mal weit vor, die Gletscher der Alpen. 

Ihr Moränenschutt liegt noch heute dicht unter der dünnen Humusschicht der kargen Alpweiden. Als ein breiter Rücken füllt er das Tal, umgeben von steilen Moränen und überzogen von kleinen Steinwällen – auch sie Moränen,  Zeugen des endgültigen Rückzugs der Eisriesen.






Wenn man genau hinschaut und das schlechte Wetter Kontraste auf die steilen Grasflanken zaubert, sieht man sie überall: Gleichmässig schräg abfallende Linien im Gelände, gestaffelt in Serien, die die wechselhafte Geschichte des Klimas wiederspiegeln. Mittendrin eine nur spärlich überwachsene Blockzunge, überfahren von einer gigantischen Moränenbastion, die in den letzten Zehntausend Jahren vom immer wieder vorstossenden und abschmelzenden Vadret d' Es-Cha aufgeschüttet worden ist. 

Eine alte Moräne, oder ein fossilier Blockgletscher? Entstanden in der Zeit, als die eben erst vorgestossenen Gletscher aushungerten, weil der zugefrorene Nordatlantik keine Niederschläge mehr in die Alpen schickte und das Gletschereis einer kargen Permafrostlandschaft weichen musste? Vieles spricht dafür, wissen tun wir es nicht. Darum sind wir hier.




Die Diskussionen im Feld sind endlos, die Forschungsideen ufern aus. Dann sind da aber auch diese Momente, die eben auch die Faszination Geographie ausmachen. Nebelfetzen, die im plötzlich aufscheinenden Sonnenlicht spielen. Die kurze Rast in der gemütlichen und liebenswert altmodischen Chamanna d' Escha. Steinmänner am Wegrand. Nachmittagsstimmung über dem Albulapass. Und dann natürlich wieder die Moränen. Man kann von ihnen kaum genug kriegen.





1 commentaire:

L05Tin5PAC3 a dit…

Und ich dachte ich bin verrückt... :) Beste Grüße!