août 30, 2012

Sommer in Uri


Von der Arktis in das Herz der Alpen: In diesem Sommer hat sich meine Arbeit wieder näher an die Heimat verlagert. In den Kanton Uri. Die Tage beginnen immer gleich. Fahrt ins Meiental, Hammer, Meissel und Instrumente in den Rucksack packen, Aufstieg in sommerlicher Hitze. Das Ziel: Unzählige von uralten Moränen, welche die Gletscher hier in der Jüngeren Dryas und davor aufgetürmt und liegen gelassen haben. Mehr als zehntausend Jahre später sieht man, wenn das Auge etwas geübt ist, noch heute, wie die Permafrostlandschaft damals ausgesehen haben muss. Auch wenn die blockigen Rücken längst mit Bäumen bestanden sind und sich in den Senken Moore gebildet haben. Oder, wie an der Alp  Seewen, eine Hütte zuoberst auf der Moräne thront. 


Wald auf Gletscherschutt.
Die Gletscherstände der letzten dreizehn Jahrtausende.
Wohnen auf einer Seitenmoräne.
Wie alt ist dieser Block? 
Alltägliches Werkzeug.

Es sind anstrengende Tage. Wir versuchen, die Moränen, die wir auf Karten, Luftbildern und Laserscans identifiziert haben, zu finden. Mithilfe von Experten wird die Landschaft beurteilt – ist das, was wir hier sehen, wirklich eine Moräne? Oder doch das Relikt eines Blockgletschers, eines Felssturzes? Oder eine geologische Formation, die viel älter ist und auf der nur zufällig Blöcke stehen? Dann werden Proben genommen, mit Hammer und Meissel, die Landformen werden eingemessen. Manchmal heisst es auch graben – oder eher: pickeln – Bodenprofile aufnehmen, pH-Wert und Farbe bestimmen, in einer recht mühsamen Prozedur die Dichte der Bodenschichten messen. Und schliesslich, das ist das wirklich anstrengende, geht es mit einem Rucksack voller Gesteins- und Bodenproben hinunter ins Tal. 



Freude kommt trotzdem auf. Schliesslich sind wir in den Bergen, und sogar da wo sie am schönsten sind. Kaum eine Landschaft der Schweiz ist so rauh, urchig und wildromantisch wie die Täler des Aaremassivs. Und gerade hier, im Kanton Uri, ist ausser der viel befahrenen Strasse über den Susten fast alles noch, wie es einmal war. Braunvieh, Wildwasser, Gemsen, Heidelbeeren. Meine Welt. 



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