janvier 13, 2013

Ein Mittwinterland


Nirgendwo kann es so Winter sein wie im Saanenland. Wo die Berge nicht hoch, aber überall sind. So als gäbe es keine anderen, als gäbe es überhaupt kein flaches Land, nirgends. Wo die Holzhäuser den Schnee auf ihren flachen Giebeldächern tragen wie Schmuck, wo steile, felslose Pyramiden über den Dörfern im Winterlicht leuchten, Pferdekutschen klingelnd auf den Strassen unterwegs sind, und sich in den Talkesseln, kurz bevor die Gletscherwelt anfängt, Wälder und Ried und Alpen ausbreiten, so weit das Auge reicht. Als lebte hier ein vergessener Heidenstamm, der keine Dörfer und keine Städte kennt, und keine Nachbarn ausser das Gezwergenvolk in Wald und Moor.





Dies ist nicht der Ort für Mut und Tollerei, alpine Abenteuer, frostbärtiges Heldentum. Dies ist ein Ort der Ruhe, der langen, gleichmässigen Schritte, der klaren Luft, des Lichtzaubers. Und doch sind sie nicht weit, die Paroisses, die grosse Vertikale. Die Felswelt ist nah, man kann sie sehen. 

Wie hinter einer unsichtbaren Wand, einer magischen Grenze, hinter die keiner je zurückkam. Fern wie ein Stern. 



Auf unserem Gipfel aber ist es flach und weit und weiss. Alphütten stehen verstreut im Schnee, ein verlorenes Dorf. Wetterverbrauchtes Holz, Plastik in den Fenstern, die Schindeln morsch. Und doch wie Königshallen, hier oben, in der Mitte der Welt. 







Dann leert sich das Bier, aus dem Welschland wälzt sich Nebel nach Saanen herein, und die Sonne rückt den Kalkzacken schon bedrohlich nahe. Abfahrt. Langsam, geniesserisch. Zeitlupenfreude. 

Unten kriecht bereits die Dämmerung aus dem Wald. Der Lauenensee ist zugefroren, und schüttere Tannen zeigen düster die kalte Luft. Das Wetter kommt.



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