février 24, 2013

An der Landstrasse

Irgendwo im Jura, am Rande der Landstrasse. Der Asphalt glänzt nass uns salzig, der Schnee ist faul und überfroren. Ein Generator brüllt. Daneben ein Festzelt, zwei Dutzend Einheimische, die meisten Männer. Schweinssteak und Bier, Witze hier und da ein derber Fluch. Man trägt Bergschuhe und Jagdstiefel. Ein paar junge Gesichter werkeln an Maschinen. «S Füur brennt äinewääg nooni», meinen sie. Sie sind Stäcklibuebe, müssen in diesem Jahr noch an die Musterung. Die Gemeinde hat ihnen einen riesigen Feuerstoss hingestellt, aus frisch geschlagenen Tannen, gefüllt mit noch mehr Ästen und Stämmen, Wind und Wetter haben es mit Schnee gefüllt, und nun es will nicht brennen.

Nebenan wärmt ein kleines Feuerchen, man schiesst Schiibli. Sie fliegen hoch, sie fliegen weit. Und wir sind fremd und doch willkommen. Plötzlich steht ein Knirps vor uns, mit einer Haselstange und einem fein gedrechselten Rädlein: «Willsch äu?» Ja, dürfen wir denn? «Hejoo! Jeeede döff! Jeede!»

Und dann bringen die Jungs vom Jahrgang 94 das Feuer doch noch in Brand. Nach Stunden. Und wohl nicht ganz ungefährlichen Aktionen mit allerlei brennbarem, flüssigem, dass im Steinmetzendorf eben so herumsteht.

Ich gehe ein paar Schritte aus der Wärme hinaus in die Winternacht. Der Weiberzungel steht schon am Himmel, leuchtet wie ein Silberhorn über dem Wald. Meine Leute haben sich gefunden mit den Leuten aus dem Dorf, man hört die Witze und Sprüche der einen, man sieht die anderen versunken ins Feuer starren, und das Glutlicht zaubert ihnen Liebe ins Gesicht. Ab und zu bricht ein Stamm, stürzt hinunter in die glimmernde Kohle, und dann stürmt ein Heer aus Funken in die Sterne hinein.

Der Generator brummt immer  noch. Und manche sind schon nach Hause gegangen. Es fehlte ihnen die Romantik. Das Benzin, das Steak, die Bergschuhe, die Männer mit den Bierflaschen. «Wie in Amerika», sagten sie.  Doch das hier ist Alemannenland. Und dieses Fest soll nichts mehr sein alls es ist: Ein paar Leute aus einem eigenwilligen Dorf, mit ihren Autos, an der Landstrasse, mit ihrem riesigen Feuer, dass in den Winter hinauslodert und vom Frühling kündet.

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