février 01, 2013

At Miðjum Vetri


Es ist unser Brauch, die Mitte des Winters zu feiern. Die kälteste Zeit, wenn der Schnee meterhoch auf den Alpweiden liegt, und das Bauernland nichts ist als lebensfeindliche Wildnis. In diesem Jahr wollen wir ganz nahe am Winter sein. Und so machen wir uns, schwer beladen mit Zelt und Fleisch und Bier, auf in den Winterwald. Legen keuchend eine Spur durch die schneebeladenen Matten und Weiden, steigen und steigen, bis wir in der Kälte sind und uns Hunger und Wind zusetzen. Hier wollen wir die Nacht verbringen. Alleine mit dem Land und seinen Göttern. Alleine in der Mitte des Winters. 



Der Himmel reisst kurz auf, im Westen wallt der Nebel im Tal wie flüssige Glut. Es ist bitterkalt geworden. Der Schaum auf der Chuofa gefriert in Augenblicken. Wir stehen vor einem Harg aus Schnee und schauen hinaus ins Land, die Kälte schüttelt uns. Oder ist es mehr als das?



Ich singe in die Kälte hinaus, und sehe, das alles da ist. Rappen hirtischd, hietischd Welf – i Wind u Wetter, i Wilder Jag. Unter uns breiten sich die waldigen Täler aus. Wolfsgebiet, Jagdrevier. Dir Aachi schriitischd – Tirschten werrschd. Am Horizont glühen Altels und Rinderhorn, Berge der wilden Wasser und tobenden Gewitter. Louba Ching, en Aelwen Frind. In nur sechs Monden wird hier alles von unwirklichem Grün sein, Farn und Orchideen im Windfall, Kühe auf den Weiden, Milch in den Kesseln und Glockenbimmeln in der Luft. 

Die Ahnen schweigen hinter dem Grat in den Tälern, der Wind weht unsere Wünsche nach Osten, hinein in die Zeit, die kommen wird. 



Als die Nacht hereinbricht, sind wir in unserem Zelt, hocken gedrängt zusammen, bei einem altnordischen Festgericht, das vor tausend Jahren wohl nicht anders schmeckte als heute. Wärme, Lebensfreude, Freundschaft, Genuss. Dann tiefer Schlaf, während der Wind die Zeltplane knattern lässt. Am Morgen ein Julfrühstück aus Rösti, Eiern und Lachs, zubereitet in der Schneehöhle. Speisen und feiern wie Könige, unter einer dünnen Haut aus Nylon, mitten im grossen weiten Winter. 



Dann dreht der Wind auf Südwest, Wassertropfen bilden sich an den schneebepackten Tannzweigen. Zeit zu gehen. Durch klebrigen, zähen Schnee kämpfen wir uns zurück ins Tal. Hinter uns weht der Wind die Spuren unseres Lagers zu. Bald wird nichts mehr zu sehen sein, bald liegen die Hänge wieder unberührt und weiss. Bis um Ostern ein neues Licht aus Osten das Eis weglecken wird, und aus dem Boden unter dem Schnee die ersten Blumen in den Frühling stossen werden. 





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