juillet 27, 2013

Uristier


Es riecht nach frischem Heu und alten Tannen. Die Nachmittagssonne scheint weichend ins Tal herein, man hört die Reuss, ab und zu knattert ein Motor. Die Bauern sind noch am Werchen, für uns geht ein langer Arbeitstag zu Ende. Wir spüren Salz auf der Haut, Schwere in den Händen, trockene Glut auf der Stirn.

Mitten im Grün wiegt sich ein Stierenhaupt langsam im Wind. Die Augen glühen tief im zotteligen Fell, die Hörner schimmern im Gold. Die zerrissene Fahne Uris blickt uns an wie ein Urtier aus jener anderen Welt. 

Der Uristier. Vor Jahrhunderten zogen die wilden Hirtenkrieger aus den Bergen zum Brüllen seines Horns in die Schlacht, als die Urner im Felde, die Schwyzer im Rate führten. Das Urtier, das in ille tempore als einziges die Kraft aufbrachte, Surenen vom schrecklichen Greiss zu befreien, den Kampf nicht aufgab bis es siegreich verendete, lebt auch heute noch fort in diesem Land. 

Kraft, Trotz, verwegene Widerspenstigkeit blicken uns aus dem Wald heraus entgegen, bewegen sich scheinbar gereizt auf dem goldenen Grund. 

In diesem Augenblick - ein Anruf. Eine Nachricht aus dem Alltag, aus dem Land der Bahnhöfe und des schnellen Internets. Eine gute Nachricht. Eine Türe, die aufgeht, ein Weg, der sich weist. Und nun regt sich das Stierenblut auch in uns, und wir heben die Gläser und tuen einen tiefen Zug: Auf die Wildheit, den Trotz und die Unbändigkeit.

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