novembre 10, 2013

Orkan

Zu Martini zieht ein Reiter übers Land und sät Sturm und Schnee. Heute ist es ein Orkan. Wir sind auf dem Gestler, wie so oft bei diesem Wetter. Um den Sturm zu grüssen, den ersten arktischen Hauch des Winters zu erleben. Doch heute ist es anders. Rauher. 

Mit 140 km/h peitscht der Orkan über die Krete. Der Wind raubt uns die Sicht. Aufrecht gehen geht nicht. Wie Soldaten in einem seltsamen Krieg suchen wir Deckung, kauern, werden immer wieder umgeblasen. Alles gefriert. Es ist ein eisiges Inferno. Wir hören nichts, sehen nichts, tasten uns voran. 

Bis wir vor einem Haus stehen. Die Türe ist offen. Die riesige Gaststube leer. Aus einem Lautsprecher trällern französische Chansons. Wenige Zentimeter entfernt, hinter den blinden Fensterscheiben, tobt der Sturm. 

Ist das noch wahr, fragen wir uns, im Spass, oder sind wir etwa schon erfroren? Da taucht doch noch eine Wirtin auf, will uns kaum glauben, dass wir bei diesem Wetter unterwegs sind. Es gibt Kaffee und Kuchen. Alles ist absurd. 

Als wir absteigen lässt der Sturm schnell nach, frischer Schnee fällt, das Gfogg aus Nebel und Schneeflocken wirkt seltsam rosenrot. Dann kommt eine Frau auf einem Schlitten und zieht lautlos an uns vorbei. Wir blicken zurück – und sehen keine Spuren. 

Phantasie. Doch wäre es wahr gewesen, keiner von uns hätte gestaunt. 

Aucun commentaire: