décembre 09, 2013

Sihlsonne


Und wieder, Bergschuhe, Hammer, Meissel. Nur sitze ich nun in der S-Bahn und fahre durch die Zürcher Stadtlandschaft. Der Sihl entlang ins Nagelfluhgebirge, wo es schattig ist und waldig und der finstere Trichter der Fallätsche die gesamte Erdgeschichte des Mittellandes aufreisst.

Industrieerbe, Sünden der Sechzigerjahre. Eine Autobahn, auf Pfeilern, mitten im Fluss. Enge, urbane Erinnerung an ärmere Zeiten.

Ich bin etwas verloren, mit meiner Gebirgsausrüstung, mitten in der Stadt. Es ist ein schöner Montag, die Banlieu schläft, Frauen spazieren mit ihren Hunden und Jogger markieren in engen Kleidern aus Plastik, dass sie zwar frei, Zwinglis Geist aber doch verinnerlicht haben.

Es ist schön hier. Der Fluss, die Sonne, der Wald. Hochhäuser im Auenland.

Ich suche Mergel. Abgelagert vor dreissig Millionen Jahren, als die Alpen eine unbedeutende Inselkette, das Mittelland ein flaches Meer und der Jura eine ferne Zukunft war. Am Äntliberg tritt er zutage, schön wie nirgendwo sonst.

Die Bergschuhe habe ich vergebens mitgenommen. Keine wilde Kletterei mitten in der Agglo, keine gefährlichen Rutschpartien am steilen Prallhang. Eine Wand aus Holz und Eisenträger schützt Jogger und Hunde, der weiche Stein ist längst von selbst abenandghiid und liegt als Handstück bereit.

Ich nehme meine Proben, staple sie in den Rucksack, schreite zurück zur Haltestelle. Eine alte Frau in Stützstrümpfen verteilt den  «Wachturm», eine Tafel macht aufmerksam darauf, dass hier Bienen leben.

Ich fahre hinaus. Hinaus aus dem kühlen Dorf am See, nach Westen, nach Burgund. Es war mein letzter Tag in Zürich. Meine steinerne Ernte werden andere dreschen. Mich ruft die Aare, und eine neue Zeit.

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