janvier 02, 2014

...und wenn der Schnee fallt.

«Ruhig liegt der einsame Hof im Berner Jura. Der Wind hat sich gelegt, die Schneewolken sind weitergezogen und nichts deutet auf das nächtliche, unheimliche Treiben, das hier stattgefunden hat……»
 Æ. W. 



Der Schnee war nass. Der Wind fröstelnd und doch nicht kalt. Der Widerwille gross. Das Gebet kühl und knapp. Keiner sah, wie si uf der Fieri siin, die Geister, tüüsend auf jeden Gufenchnopf, wie sie leise durch die Tannen strichen, als das Licht noch schien, lange nachdem die Sonne zu Rast und Gnaden gegangen war. Oder vielleicht nie mehr kommen würde. 

In dieser Nacht. In der sie dachten, es werde sein wie immer. Und man in der Küche handwerkte und in der Stube auch ein wenig sang, weil es doch ein Fest sein sollte. Bis eine dunkle Frau mit kalten Augen durch den Nebel starrte.

Es gibt kein Fest für die Verlorenen. Für jene, die immer weiter ziehen. Es gibt keine Freude für die armen Seelen. Ihre Ewigkeit in Eis und Sturm. Wo in leeren Herzen kein Feuer mehr brennt. Verloren sein, bis der letzte Winter kommt. Nach dem grossen Brand.

Und wir sind nichts als kleine schwitzende leidende Körper. Wir quälen uns durch den Schnee und durch die Nacht. Da ist kein Gott in uns, da ist keine Berserkerei. Da sind nur Beine, die nicht tragen mögen, Arme die brennen, Herzen, die zu bald zu schnell hämmern, Lungen, die in der kalten Luft verdorren. Da ist nur Widerwille, die Gewissheit, dass man das nicht will. Und die Pflicht. Die verdammte Pflicht. Die zur Melodie wird, und zur Magie. Nach langer, langer Zeit. Bis man nichts anderes mehr will. 


Ewigkeiten später wird die Hütte zum Palast. Durch einen langen Gang von Türen geht es Schritt für Schritt voran. Schlag für Schlag. Und die Hungrigen werden durstig, und den Kleinmütigen geht die Welt auf. Das Heer ist hier.


Und das Heer geht. Hinein in die Nacht. Verschwindet darin. Und findet zwischen Steinen den ewig langen Gleichklang. Zeit ist nicht mehr. Hass ist nicht mehr. Wut ist nicht mehr. Trauer löst sich auf. Ein unerfindlicher Gleichmut steigt aus dem Eisen in die Finger, in die Arme, ins Herz. Tannen stehen vor Weiss. Dieser Zug soll nie aufhören. Wir sind, verloren, daheim.

Zeichnungen: J.P.

Und wir kommen wieder. Durch Feuer und Rauch, durch Nebel. Und verschwinden in feuchten Ecken und Schatten, wenn Ihr in die Sonne geht.

 Im Ohr:
ENSLAVED

Aucun commentaire: