mars 21, 2014

Östlich von der Sonne und westlich vom Mond

Wir stehen auf einem Felsen, der vor 150 Millionen Jahren gewachsen ist. Langsam, unter türkisblauem Wasser, in einem längst vergangenen Meer. Föhren knorren dem Himmel entgegen, wehren sich. Gegen die Hitze im Sommer, gegen den Sturmwind im Winter. Heute stehen sie ruhig im Abendlicht. Ein Stern versinkt im Wald, 150 Millionen km weit entfernt. Und wir stehen zusammen, haben uns gerade erst getroffen, nach dem ersten richtigen Frühlingstag. In diesen Wäldern sind nur wenige unterwegs. Es ist kein Zufall, stehen wir am selben Abend auf demselben Felsen. Es zieht uns alle in die gleiche Richtung.

In diesem Jura zu wandern, ist wie Bergsteigen im Kleinen. Man geht einfach los, ohne Ziel, ohne Weg. Findet Felsen und Flanken, die machbar scheinen, man versucht sich, manches geht, manches nicht. 

Man ist einfach unterwegs, Holz in den Händen und Erde und Jurakalk. Schwitzen, lieben, trinken. 



Wir geniessen den letzten Tropfen Sonnenlicht uns steigen ab. Auf der Westseite ist es schon dunkel. Hinter den Tannen geht der Mond auf, riesig, schnell. Wir stehen hier, still, östlich von der Sonne und westlich vom Mond. Und wissen, dass wir nirgendwo hinmüssen, um am einzig richtigen Ort zu sein.

Fotos Æ. W. 

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